Sonntag, 13. Juni 2010

SUPERSERVUS!

Nur weil Eigenwerbung auch mit Liebe gekocht wird, schwillt Ihnen gleich wieder die Milchschaumdrüse. Vorschlag zur Güte: Fummeln Sie doch mal ordentlich an meinen Social Plug-In's rum - Sie werden sehen: Im Cabriolet der Verzweiflung ist noch ein Allgemeinplatz für Sie frei. Superservus!

(gefällt mir!)

Montag, 24. Mai 2010

Bruno Leddin

christian blumberg,Bruno Leddin,moratorium

Dienstag, 4. Mai 2010

Chapman Ridger.


christian blumberg

Sonntag, 2. Mai 2010

when sublimation goes wrong.

christian blumberg,christian blumberg,moratorium,lady gaga

Im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen: Lady Gaga.

Freitag, 16. April 2010

Slang Editorial

moratorium

Sonntag, 7. Februar 2010

Albrecht W: Von einem ästhetischen Prinzip in den Hinterhalt gelockt. (Sonne statt Reagan)

Albrecht W. aus H. überlegte nicht lange. Er betrat das Panoptikum aus diesem einen Grunde: Es regnete. Regen kennt nur eine Richtung: Hinab. Der sich auf einer von der Deutschen Bahn angebotenen Städtetreise befindliche Albrecht W. hatte jedoch stets von der entgegengesetzten Bewegung geträumt - drum konnte er Regen nicht ausstehen und das von ihm bereiste Hamburg wollte ihm diesbezüglich auch nicht recht entgegenkommen. Die Sammlung selbst enttäuschte Albrecht W. zunächst. Seine Senftenberger 2-Zimmer-Wohung schmückten Portraits von Shirley McLaine, Irene Papas und Joey Bishop; und auch wenn Sie aus Wachs waren: die Mimesis Jan Fedders vermochte ihn ebensowenig nachhaltig zu beeindrucken wie die der jungen Inge Meysel. From Hamburg, there is no train to Vegas.

Es wäre all dies nicht erwähnenswert, hätte nicht König Zufall für folgendes Ereignis gesorgt: Aus reiner Unachtsamkeit hatte eine Mitarbeiterin des St. Paulianischem Panoptikums nicht nur vergessen, die Tür zur Werkstatt zu verschliessen, auch der Vorhang, der diese auf Seite des Ausstellungsraumes verhängte, hatte sie in ihrer Eile nicht vorgezogen. Dieser Umstand erlaubte es Albrecht W., die Werkstatt des Wachsfigurenkabinetts zu betreten. Es geschah dies auf wundersame Weise unbeobachtet, blieb jedoch nicht folgenlos: Der Raum, den Albrecht W. nun betrat, barg einige verhüllte, noch in der Fertigstellung befindliche Exponate. Eines jedoch, an welchem die just den Raum verlassen habende Angestellte noch arbeitete, war unverhüllt und zudem von Deckenstrahlern in helles Licht getaucht. Es war noch nicht fertiggestellt, bestand lediglich aus einem Torso. Dieser jedoch schien dem Senftenberger so stimmig, so perfekt, ja, so schön: Er schien förmlich aus seinen Rändern zu brechen. Albrecht W. war geblendet von den Proportionen dieses Torsos, von den sehnigen Armen und vom Bug seiner Brust. Und so sprach die Schönheit, so flüsterte der Torso ihm zu, er, Albrecht W., müsse sein Leben ändern.

Zurück in Senftenberg verfasste Albrecht W. eine Liste mit Ereignissen, die sein neues Leben für ihn bereithalten sollte. Während Audrey Hepburn „oh dream-maker, you heartbreaker, wherever you‘re going, i‘m going your way“ säuselte, schrieb er Folgendes nieder:

1. Eine Showtreppe hinunterkommen! (hinunter? hinauf!!!!)

2. In einer mittelgroßen Hollywood-Produktion einen republikanischen US-Präsidenten verkörpern; und zwar in einer Szene, in der dieser aus der Limousine steigt, mit gütigem, gleichsam forschen Habitus das Volk grüsst und anschliessend ein Bad in der Menge nimmt, Hände schüttelt, bewundert wird, sich dankbar zeigt, ein Arschloch ist, vielleicht, und trotzdem, mann-o-mann, der Präsident der Vereinigten Staaten ist. (Sonnenbrille?) (sic!)

3. Ein New Yorker 1-Zimmer-Appartment beziehen, das über ein verstecktes Hinterzimmer verfügt. Dieses hat fensterlos und seine Wände - nach einigen Jahren Recherche - mit Zeitungsausschnitten übersäht zu sein, welche die Verbindungen zwischen mysteriösen Todesfällen, oder wenigstens Hinweisen auf die Invasion Ausserirdischer aufzeigen. Einem politischen Komplott auf der Spur, dabei von Verfolgungswahn geplagt, Jahre in diesem Raum verbringen, das Türschloss sechsfach abriegeln. Schliesslich mit gut gekleideten Typen von der NSA verhandeln, ihnen aber dann lieber nicht trauen und gleichzeitig mit einer dauergewellten, wenigstens mittelblonden und investigativ arbeitenden Journalistin (Herald Tribune) anbandeln.

4. An einer brennenden Mülltonne vorbei, aus einer brenzligen Situation in einen blau ausgeleuchteten, von Kunstnebel bespielten Hinterhof flüchten und über einen maschendrahtbezäuntes Tor entkommen. Dabei von einem vermeintlich blinden, afroamerikanischen Obdachlosen (auch nur Tarnung) beobachtet werden.

5. Aus in braunes Papier eingeschlagener Whiskeyflasche trinken.


Nachdem er dies niedergeschrieben hatte, setzte sich Albrecht W. an seinen Laptop (DELL) und kaufte ein One-Way-Ticket nach Washington DC (billiger).

Als sein Flugzeug, Albrecht W. sagte Flieger dazu, elf Tage später dort gelandet war, regnete es und Albrecht W. machte sich auf, eine Landverbindung nach New York zu finden, schien ihm eine solche seinen Vorhaben doch adäquat zu sein. In the early morning rain, with a dollar in my hand, with an achin in my hear, and with pockets full of sand. Alfred fuhr all the way down to Kalorama Park, wo ihm Abscheuliches widerfuhr: Das Hilton in Sichtweite geriet Alfred W. aus Senftenberg in eine grosse Menschenansammlung. Das Taxi hielt, da eine Weiterfahrt unmöglich war. Alfred W. entstieg dem Taxi und fand sich inmitten der aufgebrachten Menschenmenge wieder, jedoch ausserstande, den Grund der herrschenden Erregung zu benennen. Just in dem Moment, in dem im weit entfernten Hamburg eine Mitarbeiterin des Panoptikums den aus Wachs geformten Kopf Ronald Reagans auf einen bis dato kopflosen Torso montierte, wurde Alfred von einer sich unerwartet lösenden Kugel getroffen. Diese entstammte zwar nur einem Kleinkaliber, traf Alfred W. jedoch tödlich. In den letzten Minuten seines Lebens, die er in einem Notfallwagen erlebte, kam Alfred W. ein letztes Mal zu Bewusstsein. Während eine mittelblonde Krankenschwester die Infusion vorbereitete, schlug er die Augen auf und begann, ein altes Lied zu singen. Er sang:

Regentropfen, die an dein Fenster klopfen
das merke Dir
die sind ein Gruss von mir.
Sonnenstrahlen, die in dein Fenster fallen
das merke Dir
die sind ein Kuss von mir.

Abends aber dann
im hellen Mondschein
komm ich selbst zu Dir
und will belohnt sein.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Sechs Sätze für mehr Konzentration.

1. Alles verläuft - thanks to Didi - genau nach Plan.

2. Immersion organisieren, Weltferne feiern, Erzählstrukturen auf die Fresse hauen!

3. Mein Körper reicht mindestens bis nach Potsdam.

4. Heartbeat: Mach das doch mal leiser!

5. Kind, du hast die Vene verfehlt.

6. Super, danke.


christian blumberg moratorium

Mittwoch, 25. November 2009

Auf einmal plant Cornelius Busch Nachwuchs.

Cornelius Busch saß am Schreibtisch und war in Gedanken. Am Nachmittag war er mit einem alten Schulfreund, Guido Görne, zusammengekommen, den er seit dem Matura nicht mehr getroffen und nur sehr selten gesprochen hatte. Görne und Busch hatten jüngst in unterschiedlichen Fachrichtungen ihre Doktorarbeiten publiziert, beide hatten sich der akademischen Karriere verschrieben und sich daher vom Leben eher ferngehalten. So blieb ihnen kaum etwas anderes übrig, als von ihren Erinnerungen an die Schulzeit zu sprechen. Da erzählte Guido Görne von ihrem Klassenkameraden Daniel W., mit dem gemeinsam sie einst die Volksschule Oberloisdorf besucht hatten. Daniel W. war der Schrecken aller zarten Kinder gewesen, dessen nicht vorhersehbare Gefühlsausbrüche sie mit blauen Flecken zu bezahlen hatten. Der ehemals so gefürchtete Daniel W., der inzwischen als Vertreter eines Handels für landwirtschaftliches Großgerät tätig war, ausgerechnet dieser Daniel W. wäre jüngst, so erfuhr es Cornelius Busch von seinem Bekannten Guido Görne, Vater von Sechslingen geworden. Abends an seinem Schreibtisch sitzend, dachte der kinderlose Cornelius Busch erstmals darüber nach, Ausgleich zu schaffen.

Samstag, 29. August 2009

malady of elegance. synchrotron.

Can you see (Sirius)?
and the music of the spheres?
swelling strings and humming hymns.
now won't you build the synchrotron?
Build! (am siebten tag erschuf der liebe gott die mädchen aus dem kohlenpott)
Build the AlterDestiny!
Weg mit den Wichsern!
Her mit den Informationen!






malady of elegance.

Vorhin mit dem Bus nach Hause gefahren, und, es war am Mehringdamm, da konnte er nun nicht halten, denn der Streifen, der sonst ihm vorbehalten ist, war besetzt von Polizeifahrzeugen: Zwei Mannschaftswagen standen da, die Vergitterten, und zwei von Kleinbus-Grösse, und noch normale Polizeiautos. Jedenfalls ein grosses polizeiliches Hallo. Der Bus hat daneben gehalten.

Da kurz gedacht: Das wär so stark jetzt: Aussteigen: Erwartet werden. So friendshipmäßig zum SK, sich mit Einverständnis Handschellen anlegen lassen. So Dillinger-Style noch mal Richtung Bus sich umschauen, die Frau angucken (sie wird auf dich warten) und dann weggefahren werden.

Dienstag, 28. Juli 2009

Herr Kujau, wie haben sie das gemacht?

spiegel,guevara,moratorium,che,soderbergh

Donnerstag, 5. März 2009

hello.

moratorium

Mittwoch, 28. Januar 2009

MORATORIUM

06.01.2008 - 08.01.2008



06.
Das Pergamonmuseum besucht. Danach Mittagessen mit S. Später zum Flughafen gefahren, wo ich lange warten musste, wegen Nebels verspäteten sich die Flüge um Stunden. Sehr spät dann, Abflug nach Athen, endlich.
07.
Morgen in Athen. Mit M. nach Daphni. Ganz entschieden Byzanz....Der Ort ist bezaubernd. Wir besuchen das Kloster, geschlossen wegen Renovierungsarbeiten. Fahrt nach Eleusis. Das Land ist schön hier. Menschenleere Ausgrabungsstätten. Tempelbesuch.
Entscheidende Bedeutung dessen, was ich von Eleusis weiß. Weiterführen.
Im Museum wunderbare Stücke. Mittagessen in der Botschaft. Tiempo perdido.
Nachmittag. Agora. Theseion. Areopag; im kleinen Museum der Agora die Statuen von Heraklion, Athene, Herakles. Herakles, so kräftig und hart unter dem immergrünen Geißblatt. Dann steige ich auf den Hügel der Musen. Es wird schon dunkel.
Fahrt nach Piräus. Abendessen mit M. Merkwürdige Frau, verschlossen und dunkel, mit plötzlichen Ausbrüchen von Leben und Lachen. Dann zum Hotel, ohne M.
08.
Vormittag, Nationalmuseum, die Karyatiden. Alle Schönheit der Welt. Dann erneute Fahrt zum Hügel der Musen. Diesmal bei Tageslicht, von dort: die Kühnheit der Akropolis. Reizend. Phantastische Extravaganz. Nicht den Pantheon haben sie erbaut, sondern den Raum selbst.
Fahrt zurück nach Athen. Immer noch das gleiche Licht. Tanzendes, jubelndes Licht.
Abendessen mit M, heute so offen und leicht. Danach Drinks in der Bar Bedlam. Dann zum Hotel, mit M.
09.
Abschied von M. noch im Morgengrauen. Fahrt zum Flughafen. Maschine Richtung München-Arbeitsamt, fast überpünktlich diesmal. Abends daheim. Flasche Fusel auf entzündete Mandeln.
Freude.
Glück.



11.01.2008



Dave: "Mein Gott, es ist voller Sterne!"



18.01.2008



An einem sonnigen Nachmittag saß, gerade von einem Arztbesuch kommend, der einst umstrittene Performancekünstler Paul McCarthy in seinem Atelier in Los Angeles und betrachtete sein Inventar. Da waren literweise braune und rote Farbe, einige Barbiepuppen, drei modellierte, übergroße Butt-Plugs und große Mengen Plastilin, Latex, Gips und Metallpulverfarben. Doch McCarthy’s Glied war schlaff, und glaubte man den Doktoren, würde das auch so bleiben. Zudem plagte ihn eine ernstzunehmende Obstipation. Er war müde. Nach einer Weile stand er auf, und begann, einen Farbeimer nach dem anderen in den Abguss zu schütten, bis dieser ob der dicken Farbe überquoll. Doch auch daran konnte McCarthy keine Freude finden. Lange noch saß er einfach da. Mehrmals ging das Telefon, es war stets seine Frau, doch McCarthy ignorierte das Klingeln. McCarthy versuchte zu scheißen, doch ohne Erfolg. Er war nur noch voller Schmerzen. Er versuchte zu onanieren, keine Regung. Sein Körper hatte ihn verlassen, seine Arbeit war zu Ende.
Da wurde ihm das Herz gar zu schwer.

Ein menschliches Herz wiegt in etwa 0,5 Prozent des Körpergewichts, bei Erwachsenen hat es seine Eigenmasse zwischen 250-350 Gramm. Wird es ab einem bestimmten Alter stark belastet, kann es bis zu 500Gramm wiegen, dann ist das kritische Herzgewicht erreicht, man spricht dann von einer Hypertrophie. Von nun an können die Koronararterien nicht mehr mitwachsen, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Daraus erwächst die Koronare Herzkrankheit, die in Industrienationen häufigste Todesursache.
Wessen Herz zu schwer ist, sollte sich an einige Regeln halten.
So gilt es, sich möglichst salzarm zu ernähren. Milchprodukte, Gemüse und Obst sollten einen Grossteil der Ernährung ausmachen, Laugengebäck, Wurst, Sauerkraut und Salzgurken sollten hingegen gemieden werden.
Ein mäßiges Bewegungstraining sollte aufgenommen werden, Sport hingegen ist nicht ratsam.
Gegen Reisen ist nichts einzuwenden, jedoch sollte von langen Flugreisen sowie Aufenthalten in großer Höhe oder Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit abgesehen werden.
Von Alkohol- und Nikotinkonsum ist gänzlich abzuraten.
Geschlechtsverkehr ist möglich, sollte aber den Körper nicht zu sehr belasten.



28.01.2008



In der Welt, wie wir sie gemeinhin verstehen, beginnt nichts jemals. Das ist eine schöne und zutiefst tröstliche Vorstellung. Aber die gleichen Dinge, die nie jemals begonnen haben, enden. Und manche spinnen sich nicht fort. Das vielleicht ist, was der absolut konditionierte 2008er-Mensch als Erfahrung noch immer nicht zu verwinden in der Lage ist.
So jedenfalls empfand K., als ihm klar wurde, dass seine Frau vor Jahren tatsächlich mit der Scheidung gänzlich aus seinem Leben verschwunden war, so empfand er beim Tod seines Vaters, so empfand er, als die Ärzte ihm Infertilität diagnostizierten (in seinem Fall trugen die Schuld linksseitige Varikozele). So empfand er am Grab seiner Nichte, so empfand er, als A. ihn bat, ihn niemals wieder anzurufen, so empfand er, nachdem seine Mutter ihn in Folge einer Verkettung von Missverständnissen zu ignorieren begonnen hatte, so empfand er, als eine Prostituierte ihn bestimmt anwies, zu gehen, so empfand er, als er eines Morgens als Käfer erwachte, K. empfand sogar so, als Italien in der Nachspielzeit in Führung ging. Man kann also sagen, dass K. ein Mann war, der auf Enden geradezu fixiert war, und so beschloss er eines Tages aus all der Enden Plural einen großen und letzten Singular zu machen. Wochenlang überlegte K., wie dies am schmerzlosesten von statten gehen könnte, Doch je länger er darüber grübelte, desto mehr Enden hatte er zu verkraften: zuerst fiel völlig unerwartet sein Zebrafink von der Stange und ward sofort tot, nur wenig später kam seine Putzfrau nicht mehr aus ihrem Weihnachtsurlaub zurück.
Da entschied er sich für Kaliumcyanid. K. arbeitete in einem Presswerk für Vinylschallplatten, und in dessen Galvanikabteilung war KCN in ständig verfügbar. K. entwendete erhebliche Mengen und recherchierte zu Hause auf einschlägigen Plattformen, wie man damit umzugehen hatte: ein User namens „Lastemotion“ gab ihm letzte, entscheidende Tipps, er bat K. dafür zu sorgen, dass

1. Dein Magen absolut leer ist, auch keine Getränke (abgesehen von Hilfsmedikamenten) und
2. Dein Magensäurespiegel möglichst hoch ist (viel Rauchen, scharfe Gewürze...)

K. befolgte diese Ratschläge. Als er endlich die Kapsel über seiner Zunge zerbrach, empfand er rein gar nichts.



08.02.2008 - 10.02.2008


letzterversuch


18.02.2008


Das Schneetreiben.
Dietmar B. aus Tirschenreuth verbrachte seinen Sonntagabend mit seinem Bekannten, Michael R. aus Fuchsmühl, der ihn bereits am Nachmittag besucht hatte. Aufgrund des Schneetreibens, das gegen 18:15h einsetzte, überzeugte Dietmar B., von zwei Schoppen Wein bereits in gesprächige Laune gebracht, seinen Freund Michael R. davon, lieber nicht mehr zurückzufahren, sondern stattdessen auf Dietmar B’s ausfahrbarer Gästecouch zu übernachten. Nach dem Abendessen blieben die beiden noch lange am Tisch sitzen. Dietmar B. hatte eine zweite Flasche Wein geöffnet und zusammen erörterte man zunächst die Vor- und Nachteile der regionalen Küche (Vorteile: Würstl und Senf, Kartoffeln - Stichwort: Erdäpfelpfalz; Nachteile: kaum Weinanbau, Zoiglbier), später dann die Defizite jüngerer Generationen im allgemeinen.

Die Klage.
Michael R., Lehrer für Deutsch, Erdkunde & Sport am Tirschenreuther Stiftland-Gymnasium schickte seiner Klage voraus, dass es durchaus nichts Unerträglicheres gäbe, als das Lamentieren der Menschen, die sich als zu spät geboren wähnten (Stichwort: gute alte Zeiten), dennoch wünschte er, Michael, sich manchmal die alte BRD zurück - als besondere Wünsche führte dabei an:
Einen Saat mit drei, vielleicht fünf, höchstens jedoch sechs Fernsehkanälen. Eine FDP, deren Wählbarkeit man zumindest noch erinnerte. Studierende, die sich nicht bereits zu Studienzeiten an die Marktforschung verkauften. Verena Stefan. Talkshows, in denen rauchende Kulturschaffende zwanzig Minuten Zeit hätten zu antworten. Politiker, die niemals „Scheiße“ sagten (ausgenommen Allende im fernen Chile). Jugendliche, die ein wie auch immer geartetes Ziel vor Augen hätten.

Das Beispiel.
An dieser Stelle griff Dietmar B., der die bisherigen Ausführungen zumeist mit geschürzten Lippen und einem zustimmendem Presslaut quittiert hatte, erstmals in die Klage seines Freundes ein - war doch dessen letzter Punkt auch etwas arg fahrig geraten – und polterte: „So einen wie diesen Dieter Bohlen hätten wir doch damals direkt mal die Meinung geblasen!“ (Anmerkung des Autors: Diese Formulierung erscheint manchem möglicherweise etwas krumm, der Autor verspricht sich aber von der benutzten Terminologie durchaus einen Zugewinn an Lesern respektive Usern). Daraufhin führte Michael R., sich von seinem inzwischen in guter Trinkerlaune befindlichen Freundes nicht mehr verstanden fühlend, folgendes Beispiel an: Erst kürzlich, so der alleinstehende Gymnasiallehrer, sei er beim Aufräumen auf einen alten Band mit dem Titel: „Lernprozesse mit tödlichem Ausgang“ des von ihm sowieso sehr geschätzten Alexander Kluge gestoßen, in dem unter anderem die Geschichte der eigentlich bemitleidenswerten Bettine G. erzählt wird, einer jungen, etwas beschränkten, weil von Allem gelangweilter Frau, die versucht ihrem Leben in der nordhessischen Provinz durch Prostitution in Frankfurt am Main zu entkommen. Dieses an und für sich bemitleidenswerte, aber ja doch fiktive Geschöpf formuliere in jener Geschichte drei Erwartungen an das Leben, die er, Michael R:, für höchst beachtenswert hielte, nämlich:
1. dass etwas Reales geschieht.
2. dass man etwas/jemanden dauerhaft lieben kann.
3. dass man sich entäußert und dafür nicht betrogen wird.
Michael R. nahm nun noch einen abschließenden und tiefen Schluck und fügte hinzu: „hätte die bald schon studierende Jugend von heute auch nur annähernd solche Erwartungen wie die Prostituierte Bettine G. bei Alexander Kluge, sei man vom Untergang des Abendlandes wahrlich noch weiter entfernt als jetzt und von mir aus mit Dieter Bohlen heutzutage!“

Der Claim.
So sprach der inzwischen ebenfalls vom Alkohol stark in Wallung geratene Gymnasiallehrer Michael R. und stellte sein nunmehr leeres Glas entschieden und lautstark auf den Tisch seines Freundes Dietmar B. zurück, der daraufhin in seinem vielleicht hellsten Moment des Abends das Vorgetragene seines Freundes wie folgt kommentierte: „Michael, das ist der Anachronismus, bei dem jeder mit muss!“

Der Ausklang.
Nun entbrach freilich ein schallendes Gelächter, und ihm folgend Gespräche, die weiter erwähnenswert dem Autor nicht scheinen, der sich hier aber in aller Deutlichkeit der fiktiven Prostituierten Bettine G. bzw. ihren Erwartungen an das Leben anschließen möchte, denn was gäbe es wohl Schöneres, als das etwas Reales geschähe? Wohl nur, dass man etwas/jemanden dauerhaft lieben könnte, respektive die Möglichkeit, dass jemand einen selbst dauerhaft liebte.



03.03.2008



lügtnicht




10.03.2008



Erinnern Sie sich noch...?
Neues aus der Rubrik "Heute vor 2000Jahren":

- Iulia Minor, die Enkelin von Kaiser Augustus wird, wie zuvor schon ihre Mutter und ihr Bruder vor ihr, wegen einer Affäre auf die Tremiti-Inseln, die noch unter Mussolini als Gefangenen-Insel genutzt wurden, verbannt. Ungeklärt ist nach wie vor, ob sie eine Affäre mit dem Senator Decimus Silanus oder mit dem ebenfalls verbannten Dichter Ovid hatte. Infolge ihrer Verbannung wird die Verlobung zwischen ihrer Tochter Aemilia Lepida und T. Claudius Nero Germanicus („Claudius“) aufgelöst. Claudius wird stattdessen mit Livia Medullina, der Tochter des Konsuls M. Furius Camillus, verlobt. Diese stirbt jedoch noch vor der Heirat.

- Wang Mang, amtierender Kaiser für den kindlichen Kronprinzen Ying Ruzi, besteigt selbst den Thron und ernennt sich zum neuen Kaiser von China. Damit endet die Ära der westlichen Han-Dynastie. Wang Mang begründet stattdessen die kurzlebige Xin-Dynastie, die nur 14 Jahre später, mit seinem Tod zu Ende geht und geprägt ist vom "Aufstand der roten Augenbrauen", einer Armee sich rot bemalender Bauern, die sich infolge eines von grossen Überflutungen ausgelöstem Notstandes organisiert, Wang Mang einige ostchinesische Provinzen abtrotzen kann und den Kaiser schliesslich beim Erstürmen seines Palastes tötet,

gestorben:
Marcus Valerius Messalla Corvinus, römischer General, später Schriftsteller, Literatur- und Kunstmäzen. (* 64 v. Chr.)



25.03.2008



Wird jetzt mal wieder kalt in Deutschland. Draußen und drinnen eh. Warten auf die Weltwirtschaftskrise. Warten aufs Ende der Moratorien. Warum eigentlich Moratorium fragt Adam. Wegen dieser Sache neulich, eigentlich nur eine Erinnerung an 1994, als man uns folgenden Schlachtruf gab: „Keine Arbeit, keine Liebe, kein Leben.“ 1994, als wir Arbeit noch nicht brauchten, an Liebe und Leben erst zu schnuppern begannen - deshalb freilich haben wir ja solche Slogans gebraucht, weil man lautstark in die Schlacht zieht. Jetzt Moratorium mit ArbeitLiebeLeben ausgehandelt. Deshalb Adam: Moratorium. Und weil’s so schön klingt. Aus der Zukunft winkt die Hauptstadt: Koste mich. Aber Adam, du weißt doch wie das ausgehen muss.


Erstmal aber Erklärungsnot beim Feldreporter:

Kerner: Woran hats gelegen, war das einfach der erwartet starke Gegner, oder haben sie bisher nicht auch zu wenig nach vorn gemacht?

Ich: Ja, das ist natürlich bitter. Die ersten zwölf, dreizehn Jahre hab ich eigentlich gut mitgespielt, auch mal Akzente gesetzt. Aber dann hab ich zuviel zugelassen, man darf das Leben natürlich auch nicht so einladen. Da muss man damit rechnen, dass man dann solche Dinger reinkriegt, wie ich jetzt nach 28 Jahren.

Kerner: Das ist natürlich auch psychologisch ganz schlecht, kurz vor der Halbzeit so in Rückstand zu geraten. Was sagen sie sich jetzt in der Kabine?

Ich: Ja, das wird nicht ganz einfach. Ich muss in der zweiten Halbzeit natürlich noch mal alles geben, da muss ich jetzt in die Offensive. Das wird natürlich jetzt schwer, weil der Gegner kann sich ja jetzt hinten reinstellen, aber ich sag mal: Im Leben ist alles möglich.

Kerner: Keine Angst, dass das Leben nun im eigenen Stadion kontert?

Ich: Klar, das kann natürlich passieren. Aber ich muss jetzt wirklich in die Kabine, solange noch Moratorium ist.

Kerner: Ja, dann wünsch ich ihnen, obwohl wir hier ja eigentlich neutrale Berichterstatter sein sollen, wünsche ich ihnen, und ich glaube, ich kann das auch aus Sicht der Zuschauer sagen, dass sie die richtige Taktik finden und würde mich freuen, wenn sie dann nach Abpfiff nochmal unser Gast wären.

Ich: Ja danke, schau ‘mer mal.

Kerner: Ja soweit die Interviews, eins wollen wir ihnen noch nachreichen, da haben sich nämlich, während wir uns hier unterhalten haben, im Gästeblock ganz unschöne Szenen abgespielt, ein paar Idioten sind ja immer dabei, sehen sie mal:


unschön



26.03.2008



‘68 – Auszüge aus der großen Podiumsdiskussion
Thema und Einstiegsfrage: Sieg oder Niederlage? Was bleibt von ’68?


Matthias Matussek: Keine Ahnung, ich war ja viel zu jung. Aber wir haben schon viel von denen gelernt. Wir haben zum Beispiel in den Siebzigern Lederjacken getragen und uns ganz schön angetörnt, mit LSD und so...

Götz Aly: Das geht ja völlig am Thema vorbei. Sie können das alles in meinem Buch nachlesen: Das hatte alles ganz elitäre, narzisstische, ja, faschistische Züge, was da veranstaltet wurde. Das gehörte, wenn sie so wollen, als eine Art Spätfolge sogar noch zum Faschismus dazu. Das Buch ist übrigens bei S.Fischer erschienen. Also ganz klar gescheitert, und zwar sozusagen schon in der Entstehung.

Rainer Langhans: Nee, Götz, nee. Wir haben doch gewonnen. Guck doch mal: Dieses Deutschland ist doch eine einzige große Kommune geworden: Wilde Ehen, Multikulti, Gender-Debatte und so weiter, das sind alles so Etiketten, aber das ist doch genau das was wir wollten! Das ist 68! Das ist der neue Mensch! Und der ist sinnlich! Alles gewonnen, das will nur keiner zugeben!

Peter Schneider: Ach wissen Sie, Ich bin ja jetzt selber 68 Jahre. Aber ich seh das skeptischer. Wissen Sie, ich hab ja damals radikale Sachen geschrieben. Aber das find ich gar nicht so schlimm. Schlimm war doch auch gar nicht der Vietnamkrieg, schlimm war zum Beispiel, dass das Betreten von Rasenflächen verboten war! Und dieses Verbot war sogar verankert in der Verfassung! Das muss man sich mal vorstellen! Und da haben wir natürlich was verändert, wissen sie: das waren die kleinen Dinge!

Matussek: Also für uns, die wir etwas später kamen, da war ja der Rasen sozusagen schon gemäht, das war eben auch ganz wichtig, dass wir durch ‘68 Zugang zu all der revolutionären Literatur hatten: Goethe und solche Dinge! Und dann das Theater!

Langhans: Ach Matthias, das sind ja jetzt wieder nur diese künstlerischen Dinge. Aber darum ging es uns doch gar nicht. Wir wollten doch sinnliche Erfahrung! Das steht zum Beispiel auch in meinem neuen Buch: Wie ich mit Uschi Obermeier den einzigen Orgasmus meines Lebens hatte. Das war, ja wie soll ich sagen: das war kosmisch! Aber dann habe ich echt Zölibat gemacht: fast 20 Jahre ohne Sex! Da bin ich ein ganz neuer, sinnlicher Mensch geworden. Da pumpt man, was sonst unten raus kommt, quasi oben rein! In den Geist! Und das lohnt sich! Das solltet ihr auch mal machen, dann werdet ihr auch neue Menschen! (faltet die Hände vor der Brust und lächelt ins Publikum)

Schneider: Ach wissen Sie, ich bin ja jetzt selber schon 68 Jahre alt, das schaff ich nicht mehr. Und eure Kommune, ach, das war doch Angeberei. Ich wart doch gar nicht so freizügig, das ganze Gerede von freier Liebe....

Langhans: Aber das waren doch gar nicht wir! Das war doch die Presse! Die haben doch gefragt, ob das bei uns wirklich so sei: „wer zweimal mit der Gleichen pennt...“ Und dann haben wir einfach gesagt: "Ja! Das ist bei uns so!", wir wollten ja bloß neue Menschen sein. Bei uns war das auch ganz egal, ob man zum Beispiel Mann oder Frau war. Wir wollten doch alle nur Menschen sein: sinnliche neue Menschen!

Aly: Das ist ja eben auch so ein kritischer Punkt: Die Frauenbewegung hat ja mir unserer ..äh, eurer Bewegung gar nichts zu tun! Die war ja eine Reaktion auf euer 68, denn da gab es ja genauso patriarchische Strukturen wie zum Beispiel davor bereits im Faschismus.

Schneider: Wissen Sie, da haben Sie gar nicht so unrecht, 68, das waren so ein, zwei schöne Jahre, und dann gab es auf einmal so eine linguistische Umwälzung, da wurden dann auf einmal diese marxistischen Termini gebraucht, wie Arbeiterklasse statt Arbeiter. Oder Revolution statt Rebellion. Das war ja schon der Anfang vom Ende, da kam dann die Hydra der 68er, nämlich die Siebziger Jahre: die K-Gruppen, die Esoteriker, die Maoisten....

Aly: Sag ich doch: Alles Faschisten!

Matussek: Nee, also gerade in den siebziger Jahren, also in Berlin, da haben wir uns doch hauptsächlich zugedröhnt und Led Zeppelin gehört. Da war ich ja neulich auch bei dem Konzert, das war toll, da hab ich extra vom Dachboden....

Aly: Aber aus Ihnen Herr Matussek, verzeihen Sie, aber Ihre Thesen zum Patriotismus, also mit Verlaub: Sie sind ja nun das beste Beispiel dafür, wohin 68 auch geführt hat: In die gegenwärtige Fähnchenschwenkerei und...

Langhans: Frieden Leute. Wir wollten doch gar nicht politisch sein. Und das mit den Fahnen heutzutage, das ist doch nicht politisch, das ist doch, na, so ein Ausdruck von Euphorie, das ist doch Erlebnis, also auch sinnlich!, Da haben wir doch gewonnen! Guckt doch mal: Sogar Frauen schwenken heute Fahnen beim Fußball! Und wir haben eine Kanzlerin! Aus der CDU!

Matussek: Da hat der Meister ja auch mal was gedichtet, darf ich? :
Ich kannte einen jungen Mann,
dem hat‘s der Türspalt angetan,
Einst trieb er's mit der Ritze,
da schlug der Wind die Türe zu-
seither wählt er CSU!

(allseits gequältes Gelächter)

Langhans: Gewonnen! Gewonnen! Gewonnen!



05.04.2008



Pop-Zitat aus aktuellem Anlass:
„And is this what you wanted? To live in a house, that is haunted by the ghosts by you and me?“



08.04.2008



In der Reihe „Unnützes Wissen“ soll heute von Erich Honecker gesprochen werden, und zwar in seiner Rolle als liebender Großvater. 1974 gebar seine Tochter Sonia ihm einen Enkel, Roberto, den Honecker über alles liebte und verwöhnte.

Im September 1979 flohen die Ehepaare Strezyk und Wetzel mitsamt ihren Kindern aus Pößneck vom thüringischem Oberlemnitz ins bayerische Naila - und zwar in einem eigens genähten Heißluftballon. Da nun das Ost-Sandmännchen nur wenige Wochen zuvor ebenfalls mit einem selbstgebauten Heißluftballon über den Trickfilmwald gereist war, wurden Vorwürfe laut, nach denen der äußerst vielseitige Fuhrpark des Sandmännchen eine getarnte Ideenhilfe für Republikflüchtlinge sei. Die Macher der Sendung wandten sich in ihrer Verzweiflung an Honecker selbst. Tatsächlich wollte der seinem halb-chilenischen Enkel Roberto, der die Reisen des Sandmanns täglich und mit großer Leidenschaft verfolgte, ein Ende der Fernsehreihe nicht antun und verfügte, sämtliche Vorwürfe gegen die Redaktion fallen zu lassen.

Anfang der Achtziger Jahre wurde Erich Honecker zum zweiten Mal Großvater. Doch die Enkelin starb bereits in frühem Kindesalter an schwerer Krankheit. Honecker wusste diesen Verlust nur schwer zu überwinden. Zuerst wurden die behandelnden, jedoch machtlosen Ärzte auf höchste Weisung hin ihrer Stellen enthoben, dann begann der Staatsratsvorsitzende sich der Trauerarbeit zu widmen. Während seiner Fahrten durch Berlin wünschte er zweimal wöchentlich zum Pankower Friedhof zu fahren, wo seine Enkelin in einer abgelegenen Ecke begraben lag. Dort trauerte er, und ab und zu zupfte er eigenhändig das Unkraut oder pflanzte ein paar Blumen. Ein Gartenschäufelchen hatte er zu diesem Zwecke selbst besorgt. Die Fahrten freilich geschahen abweichend vom Protokoll und stellten vor allem den stets mitreisenden Personenschutz vor Probleme, schließlich waren die spontanen Routen nicht gesichert. Einige Monate nach dem Tod seiner Enkelin kaufte Honecker eine große gläserne und selbstredend wertvolle Vase. Diese brachte er eines Abends mit zum Friedhof und stellte sie, mit Blumen gefüllt auf das Grab. Nur einen Tag später wollte er seine verstorbene Enkelin erneut besuchen. Einer seiner Personenschützer rief im Vorfeld des Besuchs geistesgegenwärtig beim Friedhof an, da er vermutete, die kostbare Vase sei bereits gestohlen worden. Das war sie natürlich und so wurden schnellstens einige baugleiche Vasen bestellt und in der Kapelle des Friedhofs zu Pankow gelagert. Von nun an brachte vor jedem Besuch des trauernden Staatschefs ein informierter Friedhofswärter eine der Vasen zur Grabstätte - und kaum war Honecker wieder fort, holte der Wärter die Vase wieder ab: denn nur so konnte Honecker trauern in dem Bewusstsein, in einem Staat und System ohne Kriminalität zu leben, wie es bis zuletzt seine tiefe Überzeugung blieb.



14.04.2008



Wer als Schreibender ernst genommen werden will, der muss, das scheint mir eine Regel des Marktes zu sein, seine privaten Korrespondenzen veröffentlichen. Als Adressaten eignen sich berühmte Schriftsteller, Ehefrauen, Geliebte, der Vater und die Mutter. In Ermangelung der ersten drei Kategorien wähle ich die Mutter. Und weil Größenwahn mir fern liegt, möchte ich auch zunächst kleine Brötchen backen. Deshalb hier die Serie: Fünf Kunstpostkarten an meine Mutter.


soziologisch-nervös

Jürgen Klauke
Das menschliche Antlitz im Spiegel soziologisch-nervöser Prozesse
1976


Liebe Mutter,
es hat etwas gedauert, bis ich mal wieder im Museum war, wo sich ein jeder bekanntlich Postkarten kauft. Ich bin nun beim BR, der Unglaubliches von mir verlangt: Nachts soll ich schlafen und tagsüber will er meine Sprache verstümmeln, zu solch einer beschnittenen, knallenden Radiosprache. Deshalb auch diese Karte. Radiomenschen nämlich sehen im Spiegel soziologisch-nervöser Prozesse eher so aus wie umseitig Richter, Beamte oder Bullen. Der letzte Satz war im Übrigen schon zu lang, um ihn in einem Radiobeitrag zu bringen. Sagen Die. Deshalb lese ich morgen beim Sprachtest Arno Schmidt vor.
Ich hoffe, der Kaltenburg hält, was er Dir versprach?



memento mori

Joseph Beuys
zeige deine wunden
1974-1976


Liebe Mutter,
umseitige Installation wurde seinerzeit als „der teuerste Sperrmüll aller Zeiten“ bezeichnet. Dabei ging es Beuys um nichts weniger, als ein neuzeitliches Memento Mori zu schaffen, nämlich eines, das nicht nur an Krankheit und Sterblichkeit gemahnt, sondern auch die Möglichkeit der Heilung mit einbezieht. So hege ich den Verdacht, dass Beuys gar nicht der Schmerzensmann der Kunst gewesen ist, sondern in Wahrheit ein hoffnungsvoller Zeitgenosse. Man denke nur an seinen unvergesslichen Schlager „Sonne statt Reagan.“ Wir lernen: Wer geheilt werden will, muss seine Wunden zeigen! Ach, diese Siebziger!


192

Gerhard Richter
192 Farben
1964


So ein Großkotz, dieser Richter! Nachdem er jahrelang Fotos abmalte, zeigte er der ihm längst ergebenen Kunstwelt, wie viele Farben er so anmischen konnte. Und warum? „Ich hatte diese Scheißmalerei satt, und ein Foto abzumalen, erschien mir das Blödsinnigste und Unkünstlerischste, was man machen konnte!“ Immerhin hatte er immer gute Gründe für das, was er tat. Im BR hätte er diesen Satz so nicht sagen können. ER verstößt gegen Regel #10: Keine Angst vor Füllwörtern! Sowie gegen Regel #21: Scheiße sagt man nicht! Ich wünsche also schließlich noch einen recht schönen Tag! c.


over4000

Gerhard Richter
4096 Farben
1974


...10 Jahre später hatte er schon 4096 Farben beisammen. Nur wenig später sollte er wieder Fotos abmalen. Und warum? „Weil beim einfachen Abmalen – eben doch gewollt oder ungewollt – etwas dazukommt, etwas, was ich selbst nicht kapiere.“ (Wieder eine Spitzenbegründung, diesmal ohne Fluchen und mit immerhin einem Füllwort.) Darüber hinaus habe er nun doch so eindrucksvoll wie möglich bewiesen, dass er gar nicht wisse, wie man Farbfelder hätte sinnvoll anordnen können. bestes! c.


protect me from

Jenny Holzer
Protect Me From What I Want
1991


Diesem Satz habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen.



12.05.2008



„Warst du böse?“
„Ja war ich.“
„Was hast du gemacht?“
„Alles kaputt.“
„Macht nichts.“
„Warum?“
„Nichts darf heil bleiben.“
„Ach ja, hatte ich vergessen“


„Du musst jetzt mal bisschen aufpassen“
„Worauf?“
„Auf dich. Du siehst nämlich kacke aus.“
„Was hab ich?“
„Augenringe und Zeug“
„Na und?“
„Was, ja und?“
„Wieso muss ich dann aufpassen?“
„Weil du überhaupt irgendwie scheiße wirst“
„Wie, Scheiße werd?“
„Einfach scheiße eben.“
„Was ist das denn überhaupt für ein Dialog?“
„Gar keiner, das ist einfach alles nur ein großer Scheiß mit dir.“
„Ja, vielleicht.“
„Prima, dann sind wir uns einig!“


„Gibt es denn noch was zu tun heute?“
„Nein nichts mehr.“
„Gar nichts mehr?“
„Nee, glaub nicht.“
„Na dann, was sagen die Anderen?“

Nils sagt: „Immer dieses unverbindliche Herumgeirre.“
Und Rainald sagt, „mehr ist mehr und weniger weniger“.
Die Kassiererin fragt, ob du die Bonus-Herzen sammelst.
(Wenn Menschen erst geklont werden, dann können sie mit sich selber schlafen, wie kann man da dagegen sein?)
„Ja, ich melde mich mal“ sagt Isabelle.
(Meine Schwester Unsicherheit, sie bekommt vermutlich Zwillinge.)
„Ich weiß nicht, das hört sich jetzt, also das soll jetzt nicht, aber irgendwie...“ stammle ich. „Ich wollte eigentlich schon vor fünf Minuten sagen...“ sagst du.
(Warum ist der Typ da drüben eigentlich nackt?)
Martin erzählt wie es wirklich war, und Alexander sagt: „Nichts ist langweiliger als die Wirklichkeit“
(da hat er Recht.)
Valerie hingegen schweigt, sie beobachtet nur alles.
(Sie ist so klug.)
„Wir haben noch ein ganzes Leben Zeit“ sagt das Mädchen aus dem anderen Land, aber sie meint es wohl nicht so.
(Überall sind Monster. Sogar auf der Bettdecke.)
(Was ist jetzt mit dem nackten Typen?)
„Jetzt hältst du es nicht mehr aus“ sagt Tobias an Loch Siebzehn.
(Stimmt.)
Und Axel sagt, ich sähe irgendwie scheiße aus heute.
Aber Leonard sagt, „maybe you touched a perfect body with your mind.“
Erfrieren tut nicht so weh. Verbrennen dagegen ist unangenehm heiß.)
(Wo runterfallen passiert schnell im Dunkeln, aber man muss schon aufpassen, dass es nicht zu lange dauert.)
(Hackbraten ist ein Gericht für Nazis.)
(Orthodoxie ist ein Naturgesetz, dagegen kannst du gar nichts machen.)
„Was machst du morgen?“ frage ich,
„Verreist auf unbestimmt bis immer“ sagst du.
David trinkt heute mal wieder zuviel.
(Das ist das beste am Alkohol, sagt er, du schläfst halt einfach ein bevor du ganz verrückt wirst.)
Und Patrick meldet sich überhaupt nicht mehr.
(Nichts geht vorbei. Alles bleibt auf seinem Platz.)
Denen da draußen ist das Alles egal. Lieber gehen sie zum Fluss. Da legen sie sich hin oder essen ein bisschen was. Oder sitzen einfach da und gucken aufs Wasser.
„Die Enten...“ sagt Katharina.



17.05.2008



Sehr geehrte Frau F.
Ich bin überglücklich Ihnen mitteilen zu können, dass ich die Arbeit an der Komposition zu ihrem Text nun aufnehmen kann. Die Kur im Österreichischen hat durchaus ihre Wirkung getan, so dass ich mich endlich in der Lage sehe, ihrem Text eine angemessene musikalische Entsprechung zu verleihen. Bitte schicken sie mir erneut ihr Manuskript, da man mir mein Exemplar in der Klinik abgenommen hat.
Ihr Ihnen ergebener B.

Sehr geehrter B,
Ich freue mich, Sie bei guter Gesundheit zu wissen. Ich schicke ihnen hiermit erneut das Manuskript zu. Ein persönliches Treffen schiene mir dennoch ratsam, da nun doch einige Monate vergangen sind, und ich noch Änderungen vorgenommen habe.
Mit besten Wünschen,
F.

Teuerste F.
Ich danke Ihnen für die erneute Überlassung Ihres Textes. Verzeihen Sie, dass meine Antwort so lange auf sich warten ließ, aber ich fühle mich zu einem persönlichen Gespräch derzeit nicht in der Lage.
In der Zwischenzeit bin ich schon gut vorangekommen. Für den ersten Akt habe ich bereits ein Thema im Kopf. Auch für das finale Ableben ihrer Protagonistin sind bereits Ideen entstanden, die unentwegt mir durch den Kopf gehen. Bitte schicken sie mir umgehend zweihundert Bögen Notenpapier Schweizer Fabrikats, sowie zwei Dutzend Bleistifte höchster Qualität in der Stärke 3H.
Mit vorzüglichen Grüßen,
B.

Sehr geehrter B.
Wie geht ihre Arbeit voran? Sehr gerne würde ich erste Töne hören. Die Bleistifte und das Notenpapier müssten Sie bereits erhalten haben?
Bitte antworten Sie doch bald, erwartungsvoll, ihre F

Geschätze F,
Die Bögen, die Sie mir sandten, sind mit einem dualen Notensytem bedruckt. Für meine Arbeit brauche ich selbstverständlich ein einfaches Notensystem. Bitte senden Sie die richtigen Bögen möglichst bald. Da ich ausschließlich auf meine Komposition konzentriert bin, ausschließlich darauf konzentriert sein muss, möchte ich Sie an meinen ersten Vorschuss in abgemachter Höhe erinnern.
B.

Sehr geehrter B.
Ihr Vorschuss ist bereits angewiesen. Ich bitte Sie zur Kenntnis zu nehmen, dass dies gegen unsere Abmachungen verstößt. Wie geht Ihre Arbeit voran und wann kann ich erste Themen hören?
Hochachtungsvoll, F.

Sehr geehrter B.,
Die von ihnen geforderten Bögen Notenpapier konnten nicht zugestellt worden, da sie nicht anzutreffen waren.
Ihre F.

Liebe F.
Bitte sagen Sie ihrem Kurier, er soll das Päckchen mit dem Notenpapier vor meiner Haustüre ablegen und nicht versuchen, es mir persönlich zu übergeben. Jedweden Kontakt zu Menschen bin ich im Moment zu verkraften nicht in der Lage, da ich doch ganz in meiner Arbeit bin.
B.

Sehr geehrter B.
Ich habe nun seit zwei Monaten nichts von Ihnen gehört. Ich habe bereits versucht, sie zu besuchen, doch Sie waren nicht anzutreffen. Bitte geben Sie mir ein Lebenszeichen.
Ihre F.

Sehr geehrte Frau F.
Der Meister B. hat mich angewiesen, ihnen diese Zeilen zukommen zu lassen. Der Meister leidet unter einer Tuberkulose und hat mich deshalb aufgesucht. Zum jetzigen Zeitpunkt sei ihm weitere Arbeit unmöglich, da sie in seinen Tod führte. Er fordert zu mehr Geduld auf und bittet Sie darüber hinaus um einen weiteren Vorschuss, um die Kosten, die ihm bei uns entstehen, decken zu können.
Hochachtungsvoll, Prof. Dr. Bigenzahn

Sehr geehrter Prof. Dr. Bigenzahn,
Den Betrag, den Ihre Klinik für die Behandlung B’s erhoben hat, habe ich angewiesen. Bitte teilen Sie B mit, dass weitere Vorschüsse und Kosten von mir nicht mehr übernommen werden können, sofern mir erste Ergebnisse seiner Arbeit nicht vorliegen.
Hochachtungsvoll, F.

Sehr geehrte Frau F.
Herr B. ist seit geraumer Zeit nicht mehr bei uns in Behandlung. Wir haben ihn überwiesen. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich ihnen Näheres nicht mitteilen kann, da ich meiner ärztlichen Schweigepflicht unterliege.
i.V. Dr. Blauensteiner

F,
Ich kann ihnen meinen derzeitigen Aufenthaltsort nicht mitteilen. Bitte versuchen Sie nicht, mich aufzuspüren. Es wäre sinnlos. Ich habe ihr Manuskript teilweise neu geschrieben, es schien mir doch erhebliche Schwächen zu haben. Ihr trister Naturalismus ist mir unerträglich. Dieses Irdische, Allzuirdische wird meiner Musik, die nach Höherem, ja, Himmlischen strebt, nicht gerecht. Die Oper wird in der neuen Fassung mit dem Tode der Protagonistin beginnen, woraufhin es zur Vereinigung mit einer germanischen Gottheit kommen wird, dessen Tochter die Protagonistein, wie sich herausstellt, ist. So wird der neue Mensch erschaffen. So wie ich nun aus eigener Kraft der neue Mensch geworden bin. Die Fanfaren dazu, ich kann sie bereits hören, höre sie immerzu. Es wird ein überwältigendes musikalisches Erlebnis, gleich einer wahren Himmelfahrt. Eine Musik, wie Sie die Welt noch nicht kennt. Eine wahrlich außerirdische Musik. Ich benötige dafür mehrere Orchester. Deshalb F, beginnen Sie mit dem Bau eines Festspielhauses, diese Oper braucht einen eigenen Ort, einen, an dem nichts außer meiner himmlischen Musik sein kann, einen, der eine Heimat ist für den neuen Menschen. Bauen Sie ein Festspielhaus, am besten im Österreichischen! B.



20.05.2008



Ich kann dich nicht mehr wiedersehen.
es tut mir leid. es wird nicht gehen.
mir tut es leid, aber
ich glaube wohl, dass es so am besten ist für mich
und vielleicht auch für dich, das
weiß ich aber nicht
so genau

ja woher denn auch
soll ich das wissen
ich weiß ja eigentlich rein gar nichts
von dir. außer
dass du mich nicht willst aber
ich dich
und jetzt denke ich also dass es das beste ist wenn
wir uns nicht mehr wiedersehen,
ja,
willst du denn gar nicht wissen warum?
wir könnten uns ja treffen, dann kann ich dir erzählen
warum
aber das werd ich nicht, stattdessen könnten wir
einen schönen abend haben
und vielleicht lachen wir dann auch und haben
uns ein bisschen gern
und dann wär alles beim alten, was immer
noch besser gewesen ist als das jetzt
denn jetzt
ist alles gar nichts mehr, so ganz und gar
nichts mehr.


22.05.2008



"Was machst du denn dann im Juni?"
"Da gehe ich erstmal auf Kur. Bis zum 20. Und dann bring ich noch einen Tag das Altglas weg, also bin ich ab dem 22. wieder da."



04.06.2008



stupid duck
i'll kill ya!
you're such a stupid duck
i think i'm gonna kill ya.

i really think you suck, duck.
oh my,
you'll die.

Die!
Die!
Die!

Oi!
Oi!
Oi!

quäk.
quäk.
quäk.


(poem)



10.06.2008



Neulich im dctp-Fernsehen: Kant widerlegen mit Heiner Müller und Alexander Kluge:


MÜLLER: Bei Kant habe ich sowieso ein gestörtes Verhältnis, weil ich hab mit zehn Jahren zum ersten Mal Kant gelesen und zwar - das hatte mein Vater da rumstehen - und das war "Metaphysik der Sitten". Und ich hab natürlich als erstes das Kapitel über die Onanie gelesen. Das hat mich tief gekränkt, weil der fand die absolut verwerflich und überhaupt das Letzte und Menschenunwürdigste, was es gibt...

KLUGE: Wie begründet er das?

MÜLLER: Das ist gegen die Naturgesetze, gegen Gottes Verfügung...

KLUGE: Wenn die Natur dem Menschen die Zeugungsfähigkeit gegeben hat, dann ist es verwerflich ist, sie nicht zu benutzen.

MÜLLER: Genau, das hat mich tief beunruhigt damals. Und dann war ich so glücklich, daß ich Jahre später irgendeine Anekdote gelesen habe, dass Kant angeblich jede Woche einmal oder sogar öfter an der gleichen Eiche in dem Park, in dem er immer spazierenging, onaniert hat. Das hat mich dann wieder beruhigt. Von da ab habe ich mich für Kant nicht mehr so sehr interessiert.

KLUGE: Er war widerlegt.

MÜLLER: Er war widerlegt, ja.



12.06.2008



Nun, sagte der Rabbi, nun wollen wir auseinander gehen.
Dann noch einen schönen Tag, sagte Kaiser, der nicht wusste, wie man einen Rabbi verabschiedet. Kaiser ging. Erst die Plöner Straße hinunter, über die Marktwiete bis zu sich nach Hause. Kaiser lebte in einer dieser wenig frequentierten Nebenstraßen, 30 Zone, Wendehammer. Im Sommer waren hier einige Ferienwohnungen vermietet, aber jetzt nicht mehr. Kaiser mochte das. Hochsaison, Nebensaison - das waren immer Kaisers Gezeiten gewesen. Im Kindesalter war ihm das nie aufgefallen. Als junger Mann aber war der Sommer immer ein Versprechen gewesen, im Sommer, wenn der Strand sich füllte mit gelangweilten Töchtern, und er, Kaiser, saß auf seinem weiß gestrichenen Hochsitz, und besah sie sich alle, sah sie sich bräunen, sich langweilen, sich eincremen, sah sie Ausschau halten. Aber nicht einmal hatte er eingreifen, nicht einmal jemanden retten müssen. An einem Meer, das keine Gezeiten kennt, gab es nicht viel zu tun für einen Rettungsschwimmer. Kaiser hatte dann im Alter von 26 Jahren die Stelle des Bademeisters im Hohwachter Freibad übernommen. Denn schwimmen konnte Kaiser, so schnell wie kein anderer im Ort, auch nicht in den umliegenden Gemeinden Behrensdorf, Panker oder Kalifornien. Schon als Kind war er allen davon geschwommen. Kaiser orientierte sich nicht an seinen Mitschülern, er notierte sich stattdessen die Bestmarken der Profis. 400 Meter Freistil war er mal in 04:30:26 min geschwommen, das war damals, Kaiser war einundzwanzig, nah dran am Profisport. In dieser Zeit ließ sich Kaiser einen Vollbart wachsen, den er auch jetzt noch trug, auf dem Weg nach Hause, jetzt, als Jude, der er seit wenigen Tagen war. „Würde mich nun einer fragen, warum ich denn konvertiert bin, ich wüsste gar nicht zu antworten“ dachte Kaiser, während er nach dem Schlüssel kramte. Aber gottlob fragte ja keiner.

Das Freibad war Kaisers Reich gewesen, er war nicht nur Bademeister, er gab auch sämtliche Schwimmkurse, und das waren gar nicht wenige, denn jedes Jahr kamen die Kinder der Urlauber und Kaiser lehrte sie alle schwimmen und tauchen. Er verteilte Schwimmflügel. Er warf Tauchringe an der Zweimeter-Markierung. Er vergab Seepferdchen und Freischwimmer, manchmal sogar das silberne Abzeichen. Jedes Mal in einer chlorgeschwängerten Zeremonie, in denen er nicht an Scherzen sparte. Auch war Kaiser maßgeblich beteiligt gewesen, als man Anfang der Achtziger Jahre aus dem einfachen Freibad ein Wellenbad gemacht hatte. Im Winter 1981 wurden Verdrängungskörper mit pneumatischem Antrieb im Freibad von einer Kamener Firma installiert. Kaiser glaubte, dass dieser Schritt ohne sein Drängen niemals vollzogen worden wäre. Und was das für den touristischen Standort Hohwacht an der Ostsee bedeutet hätte, nun, hätte man Kaiser dies gefragt, jetzt, als er die Nachttischlampe anknipste, Kaiser hätte weit ausgeholt. Aber es fragte ja niemand. Kaiser stand im Schlafzimmer und zog seine Hose aus. Dabei verlor er, der Schwimmer, niemals die Balance wie andere Leute. Draußen begann die erste Septembernacht, es war dunkel, es war der letzte Tag gewesen, der letzte Tag der Wellenbad-Saison, der letzte Tag für Kaiser als Bademeister. Kaiser spiegelte sich in der Scheibe seiner Balkontür. Er trug blaue Boxershorts. Er hatte stark behaarte Beine. Kaiser mochte das. Sah sich an. Fragte sich, ob er nun, da er Jude sei, beten müsse zum Abend, oder irgend so etwas. Sah sich an, fuhr sich durchs Haar. Sah sich an, legte seinen Penis von rechts nach links. Sah sich einfach an.
Jeden Tag, zu jeder vollen Stunde war er in die Kabine gegangen, hatte den gelben Knopf gedrückt und dann durchs Mikrofon gesagt: "Achtung! Wellen!" Zweimal hintereinander: „Achtung! Wellen!" Bei guter Laune verzögerte er die Durchsage ein wenig. Die Wellenmaschine begann dann unangekündigt zu pumpen und Kaiser hoffte auf verwirrte Kurgäste, die sich den Strom unter den Füßen nicht erklären konnten. Und hoffte sie dann mit seiner Ansage: „Achtung! Wellen!“ zu erlösen.

1997 gründete sich die jüdische Gemeinde Hohwacht. Es wurde ein bescheidenes Gemeindehaus errichtet. Auf ein Reetdach wurde aus Kostengründen verzichtet. Aber es kamen von nun an neue Urlauber. Jüdische Urlauber. Eine von ihnen war Judith. Judith war 31. Kaiser nahm ihr die Rettungsschwimmerprüfung ab. Zwei Wochen trainierte Judith unter seiner Aufsicht im Freibad. Sogar außerhalb der Öffnungszeiten. Kaiser stellte dann einen besonders starken künstlichen Wellengang an. Judith bewegte sich im Wasser außergewöhnlich grazil. Während des Wellenbetriebs stürzte sie sich vom Dreimeterbrett und glitt durchs Wasser. Mein kleiner Aal, hatte Kaiser gedacht. Er war 25 Jahre älter und Bademeister. Judith schrieb ihre Dissertation. Judith war jung. Judith war hübsch. Kaiser nicht. Nun, er hatte gute Beine. Judith lächelte, als sie ihren Rettungsschwimmerschein entgegennahm. Ob man sich im nächsten Sommer wieder sähe, fragte Kaiser. Dann reiste sie, zusammen mit ihren Eltern ab. Vier Tage später ging Kaiser zu jüdischen Gemeinde. Er wolle konvertieren, sagte er.
Jetzt waren die Gezeiten vorbei. Keine Hochsaison mehr. Keine Kurgäste. Keine alten Frauen mit Badekappen, die von der Wellen auf und ab getragen wurden. Überhaupt: Keine Wellen mehr. Kaiser schlief ein.

Am nächsten Morgen öffnete er die Balkontür. Der Himmel war ganz blau, und die Luft duftete nach Brombeeren.



19.06.2008



1,2,3,4, rein in den Diskurs, du Schwabbelblase. Design mir mal meine Atmosphäre, Peter. Und lies halt noch mal die Schaummetapher vor. Raus aus der Gesellschaft! Rein ins Gewebekonglomerat! Halt mal dein Pneuma an, du Klugscheißer!
Überhaupt, sagte sie an dieser Stelle, überhaupt weiß ich gar nicht, worauf du hinaus willst.



29.07.2008



utopia.de

Karl stand vorm Zeitungskasten. Die Bildzeitung gab Tips, wie man die gegenwärtige Hitze am besten überstünde: Schlaf, Kleidung, Ernährung, Sex. Geschlafen und Sex gehabt hatte Karl in letzter Zeit eher nicht, gegessen und sich gekleidet hingegen mehrmals täglich. Doch das war eigentlich auch gar kein Grund zur Klage, dachte Karl, denn andersrum: nackt zu verhungern wäre doch auch gar nicht so schön. In der Tat lag eine unangenehme Schwüle in der Luft, selbst hier vor dem Zeitungskasten im Schatten der großen Pappel. Was Karl gar nicht mochte: wenn einem allein vom Nichtstun klamm unter den Achseln wurde. Einmal hatte er sich das Achselhaar deswegen gänzlich abrasiert, aber das hatte nur dazu geführt, dass der Schweiß direkt ins Hemd eingezogen war und das machte dann unschöne Flecken, das mochte Karl auch nicht gerne. Überhaupt, befand Karl, macht der Sommer die Menschen zu ganz und gar abscheulichen Wesen, aus all ihren Poren sickert es dann aus ihnen heraus und es riecht seltsam, unter den Haaren, in der Pofalte und an den Füßen. Im Sommer deckte sich, wenn er schlafen ging, auch nie vollständig zu, sondern ließ die Füße immer unbedeckt, damit sie nachts nicht schwitzten. Karl hatte vor kurzem erst gelesen, wie viel Schweiß ein Mensch während des Schlafens so absondert, und das ist eine gewaltige Menge, eine so gewaltige Menge - nämlich zwischen 250 und 750ml pro Nacht - dass sie sicher auch nicht einfach so im Laken versickert, sondern sich regelrecht in die Matratze frisst. Experten fordern daher seit jeher, Matratzen alle acht bis zehn Jahre zu wechseln. Karl schlenderte weiter Richtung Gelateria und rechnete: Bei einem angenommenen Schweißabsonderungsmittelwert von also 500ml pro Nacht hätte man nach zehn Jahren 1825 Liter im Schlaf verschwitzt. Und davon ausgehend, dass davon die Hälfte in der Luft verdunstete oder in der Bettdecke landete, zogen also immer noch über 900 Liter in die Matratze. Da war Karl dann doch froh, dass er diesen Sommer so wenig schlief und keinen Sex hatte, denn wäre es anders, dann würden auf seiner Matratze ja zwei Personen schlafen, die schon vorher beim Beischlaf erheblich schwitzten, und dann wären das in zehn Jahren bei täglichem Beischlaf sicher an die 16000 Liter (zum Vergleich, ein gewöhnlicher Tanklaster hat ein Fassungsvermögen von 10.000 Litern) davon wohl etwa 8000 Liter in die Matratze, das macht pro Sommer 400 Liter Schweiß, die diesen Sommer nicht in Karls Matratze sickerten, also erhöhte sich die Lebensdauer von Karls Matratze in diesem Sommer um gute zwei Jahre. Das ist doch auch was, dachte Karl, und er hätte das noch viel weiter denken können, wenn nicht auf einmal ganz etwas anderes geschehen wäre. Nämlich trat er in eine Hundekacke. In so eine alte, von der Sonne schon ganz ausgedörrte Hundekacke, eine, die schon ganz aschfahl und brüchig ist, und gerade noch ihre Form halten kann – diese hier freilich war ob Karls Hineintreten ihrer Form just beraubt worden.

„Ach Mutter Natur!“, rief Karl da aus, „wenn es dich nicht gäbe - man müsste dich erfinden!“



31.07.2008



„...ich bewerkstellige die unglaublichsten Dinge, ohne in ihr Inneres überhaupt einzudringen, das überlasse ich anderen, niedrigeren Wesen: das sagt aber nicht, dass ich nicht unter dieser Erschütterung leide, alles, was ich zustande bringe, selbst die auswegloseste Situation, beweist mir, dass es etwas gibt, das die Errungenschaften des menschlichen Geistes wieder in ein unauffälliges Nichts einordnet...“



01.08.2008



Ich hatte in einem Restaurant zu Mittag gegessen. Punkt Viertel vor vier kehrte ich zurück. Vor der Wohnungstür hielt ich inne und lauschte, nichts war zu hören. Dann schloss ich die Tür auf und ging ins Wohnzimmer. Mariette war da. Sie lag hinter dem Paravent auf dem Bett, das mal ihrer Mutter gehört hatte, und ich sah, wie sie ihren Kopf hervorstreckte, tat aber so, als hätte ich nichts bemerkt. Ich öffnete alle Fenster, schritt ein paar mal sinnlos auf und ab und setzte mich dann aufs Sofa. Von draußen drängte die Hitze in die Wohnung. Ich erinnere mich an jeden Augenblick: Es bereitete mir ein entschiedenes Vergnügen, Mariette nicht anzusprechen. Ich saß da und blickte aus den Fenstern. Saß da und betrachtete die Dinge, die auf dem Tisch vor mir lagen. Fast eine Stunde saß ich still dort. Dann sprang Mariette hinter dem Paravent hervor. Ich hörte, wie sie aufstand, dann ihre schnellen Schritte, schon stand sie vor mir. Sie sah mich schweigend an. In diesen letzten zwei Wochen, seit ich sie zum letzten Mal gesehen hatte, war sie wirklich sehr abgemagert. Ihr Gesicht wirkte noch schmaler als sonst, ihr Kopf war sicherlich heiß. Ihre Augen waren sehr groß geworden und blickten mich unentwegt mit einer stumpfsinnigen Neugier an. Ich saß auf dem Sofa, betrachtete sie und rührte mich nicht. Und da begann ich sie plötzlich wieder zu hassen.



16.08.2008



In mir ist ein riesiger Klumpen. Der Klumpen verstopft alles, nichts könnte mehr aus mir herauskommen. Er verstopft meine Aterien, meine Venen, meine Atemwege. Er liegt überall in mir, wo er Platz findet. Ich gehe zum Spiegel - denn laufen kann ich noch - und ich sehe eigentlich aus wie immer. Fast ein wenig dünn sehe ich aus, dabei bin ich doch voll von dem blöden Klumpen. Ich sollte dem Klumpen dankbar sein, denn der Klumpen hält alles zusammen, was zusammengehört. Er macht mich sprachlos, dieser Scheißklumpen aus Ohnmacht. Seit er da ist, ist alles ganz still. Ich muss ihn zerschmettern, aber er lähmt mich.

Ich fasse deine Haare an, ich möchte sie riechen, Ich rieche deinen Nacken. Es ist das Einzige, was ich noch rieche. Ich höre dich atmen, ganz dicht an meinem Ohr. Ich höre mich atmen, ich schnaufe wie ein Tier. Ich möchte dich halten, so fest ich nur kann. Ich möchte, dass du mich erdrückst. Du sollst mich so sehr drücken, dass alles in mir weich wird und frei und der Klumpen zersplittert. Aber dann gehst du, und statt deiner drückt wieder nur der Klumpen.

Ich kann ihn nicht loswerden, denn er gehört jetzt zu mir. Ich kann ihn nicht loswerden, denn ich gehöre jetzt zu ihm. Da sitzt er, der Klumpen, und raucht. Er raucht wie bescheuert, aber ich kann ihn nicht stoppen, er raucht eine nach der anderen. Und dann noch eine. Er wartet. Er wartet auf Dienstag oder Donnerstag oder Freitag. Er will alles an sich reißen. Er will mich umbringen, und alles was er dazu tun muss, ist abzuwarten bis Dienstag oder Donnerstag oder Freitag. Also wartet er ab und raucht. Aber ich bin noch da. Irgendwo im Klumpen: Pok. Pok. Pok. Das bin ich. Ganz hat er mich noch nicht. Ich werde warten bis er schläft. Und dann werde ich einfach abhauen. Mich verstecken irgendwo, wo er nicht hinkommt. Und wenn es Nacht ist, werde ich so hoch klettern wie ich kann. Und dann wars das.




01/12.2008



immer noch keine worte. dafür bilder.


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bears howl your name.

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Ohne Verrat kein Fortschritt.

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Dein Blut ist ganz schwarz geworden.

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Minute für Minute eilt der Tod heran.

Freitag, 12. Januar 2007

ABENTEUER ARBEITSLOSIGKEIT

14/09/2007


Den Matze hab ich sauber ausgebremst und zwar schon gestern Abend beim Auflegen im Valentinstüberl. Hab ihm einfach immer wieder ein Gedeck kommen lassen, mich selbst aber mit Almdudler begnügt - klar, dass der heute morgen mit Fahne, Augenrändern und unrasiert in der Agentur für Arbeit in der Kapuzinerstrasse aufläuft, wohingegen ich mich fein rausgeputzt habe. Man muss doch hier auch optisch eine klare Sprache sprechen - und mit Matze trinke ich dieser Tage zwar oft Bier, wir sind ja aber in der wirklichen Wirklichkeit schon direkte Konkurrenten auf dem Markt. Die Münchner Arbeitsagentur ist eigentlich ein ganz schöner Platz, etwas humorlos so in der Atmo, aber dafür laufen ziemliche stylische junge Mädels rum und ansonsten ist auch nicht viel los, nicht mal Nummern müssen wir ziehen und zehn Minuten wartet man hier gern und ohne zu murren - Matze nicht, der stöhnt: er will sitzen, er hat Durst, er hat Hunger, er braucht ein Kaugummi.

Das neue Leben beginnt dann allerdings schon an der Information. ein Blick auf die Infotafel macht klar, dass wir in den Bereich "Münchner Süden" müssen, die gute Frau an der Information möchte das aber gerne auf ihrem "PC nochmal nachprüfen". Dazu tippt sie unsere Strassennamen ein, und das Programm sagt ihr dann, ob sich diese Strassen wohl auch wirklich im Münchner Süden befinden.
Es ist ein geschickter Zug der Agentur, ihre Informations-Theken mit Legasthenikern zu besetzen: nachdem die Frau weder "Goetheplatz" ( gote plaz ) noch "Dreimühlenstr." ( deimulen str ) zu schreiben imstande ist, wird mir sofort klar, dass ich eigentlich schon morgen in irgendeine Führungsetage vermittelt worden sein müsste und begebe mich top-motiviert in einen schmucklosen, dafür großzügigen Raum, der hier freundlicherweise "Empfang" heißt. welcome to the jungle.

Dort händigt man uns einige Fragebögen aus. Man füllt die Bögen mit den üblichen persönlichen Angaben. In der Kategorie "höchster Abschluss" bin ich unentschlossen: "Hochschule abgebrochen" oder "Universität abgebrochen" - entscheide mich daher für "’Abitur" und "Hochschule abgebrochen". Sehr gute Wahlmöglichkeiten auch in der Rubrik "Sprachkenntnisse". Man wählt zwischen "mangelhaft" "gut" "sehr gut" und "hervorragend". Ich wähle bei Deutsch "hervorragend" und Englisch "gut". Es gibt fünf Sprachen: deutsch, englisch, französisch, russisch und türkisch. Das ist nett gegenüber den russischen und türkischen Mitbürgern.

Ich erkläre mich bereit, mir notfalls ein Kraftfahrzeug anzuschaffen, das hätte ich eh gerne. Pendeln muss ich allerdings schon jetzt ausschließen, nicht dass ich auf dem Dorf arbeiten muss oder gar draußen in der natur ( ich wohne doch in der Stadt, die wo eh viel schöner ist ).

Toll gelöst: die Zeit vergeht beim Ausfüllen der bunten Bögen wirklich wie im Flug. Schon ruft eine junge Dame mit Henna-Resten im Haar meinen Namen. Und führt mich zu ihr: zu meiner neuen Sachbearbeiterin Frau Nickel.

coming up:
die Sache mit der Würde
die Sache mit Frau Nickel

21/09/2007


Die Wiesn ist schon aufgebaut, sie eröffnet gleich morgen, deshalb wird es jetzt wieder warm, damit nämlich die Biertouristen denken, in Bayern sei der Himmel immer blau und sonnig. Ich fahre ins Büro bei diesem Prachtwetter und nehme einen Umweg. Mein Arbeitszeugnis muss bis 12h im Briefkasten der Agentur liegen, deshalb radel ich an der Wiesn vorbei, von der vereinzelt Hammerschläge schallen und eine übende Blaskapelle. Und überall der Tau auf den Fahrgeschäften. Und ab morgen der ganze Irrsinn, der doch gar nicht München ist. München, das ist der "Gül Döner", an dem ich jetzt vorbeifahre, der seinen Vegi-Döner ernsthaft als Weltneuheit anpreist. München ist die Tatsache, dass niemand mein Fahrrad klaut, München ist auch der übergewichtige Hartz IV-Türke mit dem FCB-Cap, der sich in der Schlange im Penny-Markt zu nah an mich ranschiebt, vermutlich, weil Südländer ein anderes Gefühl für die sogenannte Intimdistanz haben, so hat es jedenfalls vor Jahren in der Geo gestanden, dass es quasi je nach Rasse verschieden sei, wie nah ein Mensch einen anderen Menschen neben sich ertragen kann. Dieser Türke jedenfalls hat in diesem Punkt andere Vorstellungen hier in der Pennymarktschlange. Den Pennymarkt hatte ich ja schon zu Studienzeiten ums Eck - und wer genauer hinschaut erkennt: ist alles noch beim Alten im good old Penny. Die "Mama Basta"-Produkte haben lediglich neue Verpackungen - statt der gezeichneten Pizza hat man nun ein Foto einer echten Pizza vor ein Foto eines Ofens in heimeligen Farben montiert, die Maccharoni gibt es jetzt in der Familenpackung und jeder benutzt bei den Backwaren die Hygienezange, denn hier ist die soziale Distanz zu Hause, da wird sich noch geekelt, wenn da einer die Semmel angefasst hat, der jetzt noch unterschichtiger als man selbst gewesen ist. Dagegen neulich beim Käfer: "Ach, Frau von Egloffstein, seins so gut - streicheln's mir mei' Sternfrucht noch bevor ich's kauf ?"

Nach drei Stunden Büro habe ich genug. Schliesslich bin ich rein rechnerisch schon gar nicht mehr dort. Lieber mache ich eine kleine Radtour durch die Stadt. Alle hier sind glücklich und tragen etwas zu große Sonnenbrillen. Sie stehen vor ihren eigenen Agenturen im Glockenbachviertel, rauchen Light-Zigaretten und sehen wie Italiener aus. Ich freue mich schon auf die viele freie Zeit, die auch ich mit dem Rauchen von Light-Zigaretten füllen werde. Die Fachwelt nennt das "kognitive Dissonanz". Aber die Fachwelt ist ganz woanders.


28/09.2007


Das Handgelenk von Herrn Mehhorn knackt, als ich ihm die Hand schüttel, und zwar sowohl bei der Begrüßung als auch bei der Verabschiedung. Ich habe das Gefühl, meinem ersten persönlichen Berater beim Händedruck jene förmlich auszuhebeln. Herr Mehhorn weiß zu beruhigen: keinesfalls handele es sich hier um ein Frühstadium von Arthrose sagt er, vielmehr bekomme man so ein Problem heutzutage durch gezielte Gymnastik wieder in beste Ordnung. Beruhigt können wir beide also mein erstes Beratungsgespräch beginnen. Hierbei fallen zwar die hässlichen Begriffe „schwer vermittelbar“ und „undefiniertes Berufsbild“, insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit seinem Verlauf: Erstens bietet das Zimmer im vierten Stock der Agentur eine Aussicht über den Münchner Schlachthof, wie er sich mir vorher niemals präsentiert hat. Und zum zweiten macht Herr Mehhorn keinesfalls Anstalten, mich in z.B. einen Schlachthof-immanenten Beruf vermitteln zu wollen. Lieber soll ich eine Ausbildung abschließen rät er, „es wär doch schad’ drum“. Außerdem hat er großen Respekt vor der Musikbranche, aus deren Todeszuckungen es mich hierher geworfen hat. „Da müssens’ sich jetzt am besten selbst eine Nische suchen“ sagt er, „den Markt kennens’ ja sicher besser als wie wir.“ Als Hausaufgabe muss ich mich nun dreimal wöchentlich eine Bewerbung schreiben, darüber Exceltabelle führen und diese beim nächsten Gespräch auch bitteschön vorlegen.

Eine eigene Nische also. Dann mal her mit den freien Berufen: Künstler, Schriftsteller, Designer, Musiker, Filmemacher - da wartet doch das ganz große Kino auf mich. Da muss jetzt nur ein kühler Kopf bewahrt werden, wenn man sich entscheidet, in welcher Disziplin man also zu den großen Kulturschaffenden des Landes aufschließen wird. Schon am Abend beim Auflegen im Valentinstüberl wird mir ganz klar: das Musikerdasein ist einzig und allein eine logistische Meisterleistung in Sachen „Perlen vor die Säue“. All die fein ausgearbeiteten Breaks und ruhigen Passagen auf den Platten, die ich auflege, werden zur lautstarken Getränke-Nachorder missbraucht. Und die tanzbaren Passagen dienen hier lediglich als akustische Mauer, damit das Nachbarsofa die dürftigen Anmachversuche nicht mithören kann. Einzig Barmann Felix Experimentierfreudigkeit retten den Abend: In bester Privatsender-Manier wird mir eine Weltpremiere nach der anderen kredenzt. Auf „Küstennebel Sour“ folgt noch mehr Erkenntnis:

Meine Neigung zum Alkoholismus ließe sich sowieso mit keiner Festanstellung irgendeiner Art verbinden, sondern einzig mit dem Beruf des Schriftstellers. Denn allein der Schriftsteller genießt das Privileg, sich wann immer er will dem Alkoholrausch hinzugeben, welches ohnehin der einzige Rausch ist, mit dem sich in Würde altern lässt. Ein freier Künstler beispielsweise muss handwerkliche Feinstarbeit leisten, zitternde Finger können in seinem Fall zu erheblichen Abweichungen zwischen Konzept und Ergebnis führen. Ein Musiker macht unter Alkoholeinfluss alles falsch, da er dazu neigt, immer zu viel zu wollen: So fügt er in seinem Rausch einem guten Musikstück so lange immer neue Elemente hinzu, bis es zu einem großen, nutzlosen Brei geworden ist. Ganz anders der Text, da er ganz er selbst ist. Ein Text muss kühn sein und absolut, duldet keinen Einspruch, ist totalitär. Der Schreibende muss daher jeden Zweifel am Text, sogar jeden Zweifel an sich selbst erst vergessen machen, bevor er zu Schreiben beginnt. Dabei ist ihm Freund Alkohol seit jeher eine gute Hilfe gewesen. Und während die Mehrheit sprichwörtlich auf den eigenen zwei Beinen im Leben zu stehen hat, kann sich der Schreibende immer noch am Glas festhalten.


20/10/2007


Light-Zigaretten passen nicht zu Leipzig-Lindenau. Ich rauch jetzt Marlboro. Denn in Lindenau sind noch echte Kerle zu Hause. Mit echten Hunden. Hier jedenfalls tun sich möglicherweise neue Wohnräume auf. Und wenn mein sozialer Abstieg verbunden ist mit dem Beziehen von weitläufigen Gemächern in Altbau mit Fenster zum local Gotteshaus, wer wird sich da über ganzkörpertätowierte Nachbarn beklagen? Die Zimmerbesichtigungen der vergangenen zehn Tagen gaben mehr Anlass zur Klage: Moritz zum Beispiel ist 20, Barmann, spielt in einem Akkordeon-Orchester und gründet eine von Katzen bevölkerte WG mit seiner 18jährigen Punkrock-Freundin. Sein Interesse gilt vor allem mittelalterlich tönender Rockmusik. Wie begegnet man so einem Menschen in seinen vier Wänden? Man kann das zum Beispiel machen wie JBK vergangene Woche, als er, offensichtlich geplant, Eva Herman seines Studios verwies, nachdem sie gesagt hatte: „mein Gott, es wurden damals auch Autobahnen gebaut und wir fahren heute noch drauf“ – „Autobahn, das geht gar nicht“ wiederholte Kerner daraufhin immerzu. Denn soweit gleichgeschaltet ist freilich heutzutage auch der gepflegte Late-Night-Talk, als dass ein jeder weiß, das „Autobahnen einfach nicht gehen“. Sehnlichst vermisst haben wir diese Kernersche Entschlossenheit in den Interviews nach dem 0:3 gegen Tschechien. Oh JBK! Oh dumme Eva! Oh kleiner Moritz, ich bin vom Thema abgekommen. Öffentlich muss ich dir an dieser Stelle in aller Eindringlichkeit sagen: Mittelalter geht gar nicht! Ich entscheide mich deshalb gegen dein fröhliches Akkordeonorchester und für weitere Wohnungssuche. Ähnliches rufe ich dem Leipziger Stadtteil Connewitz zu und auch ins Leipziger Waldstrassenviertel, wo aber vermutlich schon alle zu Bett sind. Nach 10 Tagen Leipzig, geht es nun zur voraussichtlich ebenfalls sehr protestantischen Hochzeit der kleinen Schwester nach Lüneburg, und zwar über die Autobahn.


24/10/2007


„So ist die Zeit vergangen“
„Sie wäre sowieso vergangen“
„Ja. Aber langsamer!“
„Was sollen wir jetzt machen?“
„Ich weiß nicht“
„Komm, wir gehen.“
„Wir können nicht.“
„Warum nicht?“
„Wir warten auf Arbeit.“
„Ach ja.“
Schweigen
„Wir können ja wieder von vorn anfangen“
„Das scheint mir wirklich nicht sehr schwer zu sein.“
„Aller Anfang ist schwer.“
„Ist doch gleich, womit wir anfangen.“
„Ja, aber wir müssen uns entscheiden.“
„Eben.“
„Hilf mir“
„Ich suche“
„Wenn man sucht, hört man“
„Eben.“
„Wenn man hört, kann man nichts finden“
„Eben“
„Wenn man hört, kann man nicht denken“
„Man denkt aber doch“
„Ach was, das ist unmöglich.“




26.10.2007


Auf einmal fühlt man sich von den Polit-Talk-Runden angesprochen. Und so verfolge ich denn nun Frank Plasbergs ARD-Premiere. Etwas zäher als gewohnt. Obwohl es doch um Arbeitslosigkeit ging. Dabei hätte es so schön werden können. Zum Beispiel so:

Frank Plasberg: Willkommen zu „Hart aber Fair“. Wir haben auch heute wieder eine bunt gemischte Runde eingeladen, zusammen wollen wir nun die Lage auf dem Arbeitsmarkt erörtern. Und die Frage stellen: Wie sieht es aus? Gibt es in Deutschland noch die Chance nach oben zu kommen, wenn man einmal ganz unten war? Meine Gäste sind...

Rainald Goetz: „ich heiße Rainald, ich bin Alkoholiker.“

Plasberg: „Ich möchte eigentlich….“

Goetz: „ich sehe mich als der entschiedenste Feind des Gesprächs, schon gar des öffentlichen Gesprächs !“

Plasberg: „…möchte eigentlich mit dem Präsident…“

Goetz: „Ich bin Raspe. Ich saß im Gefängnis, ich ging im Raspe in der Zelle auf und ab, ich las mit seinen Augen Bücher, ich war der Baaderhaß. Da war die Grenze da. Ich war nicht Raspe.“

Plasberg: „…mit dem Präsident der Bundesagentur für Arbeit beginnen - Herr Weise, alle Zeichen stehen auf Aufschwung. Wer wird davon am Arbeitsmarkt profitieren?“

Frank-Jürgen Weise: „Wer eine gute Qualifikation hat und mobil ist, dem können wir heute mehr anbieten als noch im Vorjahr.“

Bärbel Schäfer: „Der Weg zu einer Karriere ist aber immer leichter, wenn die Finanzen da sind und man in einem gehobenen Bildungssystem groß wird”

Peter Sloterdijk: „In Wahrheit sitzen die Menschen in ihren Wohnungen und Einbildungen und federn sich ab, wie sie können. Leben heißt: die Immunsysteme fortlaufend modernisieren.“

Goetz: „…Bewegungslos am Allgemeinen teilnehmen!“

Jürgen Rüttgers: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir von diesem Denken wegkommen müssen. Wir übernehmen mit ihm ungewollt und unmerklich den postmodernen Relativismus, für den jede Geisteshaltung gleichgültig ist.“

Veronika Ferres: ( einstimmend )„Wir sind ein Volk der Jammerer. Sicher haben wir viele soziale Probleme, aber es gibt auch genug lebenswerte Momente.“

Kurt Beck: „Ich war in den Ferien häufig mit dem Fahrrad unterwegs, da spricht man viel mit den Leuten.“

Weise: ( zu Beck ) „Zu uns kommen jährlich zwischen 80 000 und 85 000 Leute, die keinen Schulabschluss haben. Viele von ihnen sprechen gar kein Deutsch.“

Ferres: ( wieder zu Plasberg ) „Es gibt den schönen Spruch: Du hast keine Chance, also nutze sie. Das liebe ich: Menschen davon zu überzeugen, dass das Unmögliche möglich ist. Leben ist für mich Herausforderung. Ich bin nicht hier, um mich auszuruhen, ich bin hier, um neue Ufer zu entdecken, Grenzen zu überschreiten, Abenteuer zu bestehen.“

Plasberg: „Schlussrunde bei “Hart aber Fair”, ich bitte um ein kurzes abschließendes Statement. Also: Alles für Jeden machbar in Deutschland? Frau Schäfer ?“

Schäfer: „Leider nein, ist man Jude, Punk oder schwul, dann ist leider in bestimmten Regionen nicht alles möglich“

Plasberg: „Herr Beck?“

Beck: „Ich weiß es nicht. Aber für die SPD wird es immer dabei bleiben: Einen Widerspruch zwischen Freiheit und Gerechtigkeit kann und darf es nie geben.“

Schäfer: „Wir leben in einer wunderbaren Demokratie, in der man Freiheit leben kann“



Aus:

BILD-Interview mit Kurt Beck, 14.08.2007 / www.kurt-beck.de
Weltwoche-Intervew mit Peter Sloterdijk, KW29, 2004 / www.weltwoche.ch
Rainald Goetz: Abfall für Alle / Suhrkamp 1999
Rainald Goetz: Kontrolliert / Suhrkamp 1991
Rainald Goetz: Irre / Suhrkamp 1983
Jürgen Rüttgers: „Wider den Zeitgeist“ Rede anlässlich der Feier 60 Jahre CDU in Köln.
Bärbel Schäfer: TV-Auftritt bei Sabine Christiansen, 17.06.2007
Welt am Sonntag Interview mit Frank Jürgen Weise, 23.04.2006
Veronika Ferres: Interview mit „echt-online.de“, April 2004



01.11.2007

Aushilfsjobs. Angebote im Internet. Kleinode des geschriebenen Wortes. Zum Beispiel:

Wir suchen Aushilfen zur Aufsicht, Sicherstellung und Aufrechterhaltung des technisches Betriebes einer Modelleisenbahn in einem Kaufhaus in Hoyerswerda. Wichtig ist: 
- technisches Interesse 
- Aufgeschlossenheit 
- gepflegtes Äußeres Übernachtungen in einem Hotel mit etwas Verpflegung werden gestellt. Das Hotel befindet sich direkt neben diesem Kaufhaus.
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Mitarbeiter zur Durchführung diverser Kontrollaufgaben gesucht. Sie sind ca 25 - 50 Jahre mänl haben PKW. FS Pol. Führungszeugniss ohne Eintrag sind sauber zuverlässig können selbstständig nachts alleine Arbeiten sind absulut zuverlässigkeit dann melden sie sich
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Unsere Firma schickt ganz normale Leute in die Geschäfte unserer Kunden, um deren Serviceleistungen zu evaluieren. Als Mystery Shopper müssen Sie Sich mit den Servicestandards der Firma vertraut machen und heraussuchen, in welchem Bereich der geleistete Service unzureichend ist. Qualität der Bedienung, Verhalten der Verkäufer, Effizienz, Preis-Leistungs-Verhältnis, Umgebung, Hygiene, Bequemlichkeit... sind nur einige Aspekte, die Sie untersuchen werden. Nachher teilen Sie uns Ihre Beobachtungen genau mit, so dass unser Kunde einen detaillierten Bericht Ihrer Erfahrungen im Geschäft bekommt.

Es ist eine unterhaltsame Tätigkeit, sich etwas dazuverdienen zu können.
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03.11.


Da lacht der Komparse: “Ich schlepp mehr Nutten ab als die Polizei in Dresden!” ruft einer der beiden Darsteller. Der „Club 4“ grölt und das Filmteam verzweifelt ein bisschen, aber still. Samstagabend, einige Stunden vor Eröffnung des HipHop-Clubs auf Münchens Amüsiermeile Ost, den Optimolwerken, von der Stadt praktischerweise an den Ostbahnhof in Bahngleis-Peripherie angesiedelt, damit die Meute vom Lande nicht allwöchentlich das gediegene Stadtbild des Zentrums durcheinander bringt – hier also Filmdreh für einen kleinen Spielfilm, der dann sicher mal ein “Kleines Fernsehspiel” wird, dafür jedenfalls bringt er alles mit: ein Team, das dem Filmstudium gerade entwächst, improvisierte Dialoge, hier im Club4 gecastete Darsteller, Schüler, Azubis, Hartz4-Jugendliche, fast alles Bosnier, etwa 17, 18 Jahre alt, die einen guten, leicht gebrochen bayrisch-osteuropäischen Ghettosprech draufhaben: alles voll real hier, so ultrarealistisch und ich an der Tonangel. Ständig wieder “alles auf Anfang” “und bitte” und dann palavern die Straßenjungs drauflos, immer latent aggro: „Alter, mein Kopf ist gefickt wegen meiner Freundin, ich weiß auch nicht Alter, wenn die mich abschieben, ich weiß doch gar nichts von von wo ich komme, was bist du denn Alter ?“ ... Wieder alles auf Anfang, Tonangel in die Luft, jetzt die romantische Szene: ... „ey glaubst du an Schicksal, glaubst du es ist Schicksal dass ich hier neben dir sitze, weißt du ich mach Rap, das ist so mein Business“ - und dann geht seine Freundin mit einem Anderen raus, und darauf folgt die Schlägereiszene, draußen, vor so einem übergroßen Graffiti-überzogenem Tor im Regen, und die Komparsen freuen sich schon, denn für die nächste Szene dürfen sich jetzt sechs von ihnen immer wieder gegen dieses Tor schubsen und brüllen, und etwas abseits steht der Hauptdarsteller mit seiner Freundin (im Film wie im Leben), die beiden haben noch einen kleinen Dialog: “Verpiss Dich, ich mach Schluss, das wars Alter!” schreit sie, und er bricht immer wieder die Szene ab um zu fragen, ob sie nun auch in Wirklichkeit Schluss mache. Aber ist doch nur Film, und ich renne mit der inzwischen vom Regen vollgesogenen Tonangel hinter der Kamera her, die so schön arty, so schön wildstyle durch die Schlägerei fährt und ganz spät ist der Dreh dann um und durchnässt sitzen wir im Auto, etwas leer ob all des Realismus, fahren nach Hause und hören “Raver” vom neuen “Burial”-Album, und was für eine inszenierte, wundervolle Münchner Regennacht das da draußen ist....


07.11.


Zehntausend Ausgaben der Süddeutsche Zeitung, gebündelt, auf Europaletten. Ich schätze, es sind so vierzehn Paletten, aber das Wort wird hier nur im Singular benutzt, also „die Zeitungen sind auf Palette“ – und zwar auf der Rampe an der Nordseite des Hauptbahnhofs. Im Nachhinein muss man wohl mindestens den Teufel fragen, welcher Wallraffasche Instinkt mich so einen Promoterjob hat annehmen lassen, aber jetzt ist es dafür zu spät, dabei ist es gerade mal 06:30 und noch dunkel. Im Presselager steht ein kleiner Holzschrank, da sind die Windbreaker mit dem SZ-Aufdruck drin, und die Cappies, auch mit Aufdruck. Und die zehntausend Ausgaben wollen verteilt werden, an die Reisenden, die morgens in die Stadt geschleust werden, weil sie hier Festanstellung haben. Acht Stunden Zeitungen auspacken, auf die Wägen laden und einfach verschenken. Welch ein irrer Promo-Schachzug!

„Am besten, du sagst dazu einen flotten Spruch, wie etwa: die beste Zeitung der Welt, heute einmal kostenlos für Sie!“ hatte die Frau von der hessischen Promotionsagentur am Telefon zu mir gesagt.
„Ja, genau“, hatte ich da gedacht.
Auch mit bestem Willen lässt sich über so einen Job wenig erzählen, ohne in sozialromantisches Gejammer zu verfallen. Aber es gibt doch Erstaunliches zu berichten: So gab es hier keinen in irgendeiner Form präsenten Arbeitgeber. Und wenn hier niemand nach dem Rechten sieht, dann wird sich doch auch niemand um die haarsträubenden Vorgaben, die per Email aus Hessen eintrafen, ernsthaft kümmern? So hatte ich gedacht. Ein Irrtum. Und gibt es den wirklich, den angedeuteten ominösen Kontrolleur in Zivil, der uns beobachtet? Was sollte denn der überhaupt kontrollieren? Ob man auch immer lächelt? Ob man heimlich raucht? Ob man telefoniert statt Zeitungen zu verteilen? Acht Stunden lang? Wer soll den denn noch bezahlen? Ich habe ja keine Ahnung von Arbeitspsychologie, aber hier, ganz unten, bei der Promotion, da geht es, wie ich glaube, um dreierlei:

Selbstkontrolle.
Impulskontrolle.
Das Überwinden innerer Widerstände.

Kann das einer gewollt haben? Liest jemand mit? Der Rotbuchverlag vielleicht? Wagenbach? Kann da jemand was machen? Kurt Beck ?

Drei andere Dinge nahm ich mit aus diesem Mittwochvormittag, die will ich auch noch loswerden jetzt.

1. ein lahmer Arm ( links )
2. eine Begegnung mit Rüdiger Safranski. Immerhin! Er drehte sich mit so einer Art Kinskischer Schraube ( googeln! ) in mein Sichtfeld und entriss mir wortlos eine Süddeutsche. Echt wahr!
3. Eine FAZ ( auf dem Heimweg gegen besseres Wissen aus Zeitungskasten geklaut )


09.11.2007


Gerüchten zufolge jedenfalls soll Tom Waits vorgeschlagen worden sein, als Schutzheiliger der Arbeitslosen.


11.11.2007


Eine schöne Sauerei ist mal wieder im Haus der Kunst zu Gast. Anish Kapoor, indischer Spezialist für irgendwie semi-coole Eventkunst hat sich mal was Schönes einfallen lassen. Statt Hohlspiegel aufzustellen, die, statt einfach Raumstudie zu sein eben auch irgendwie so einen ekligen Jahrmarktflair verbreiten, fährt jetzt durch des Hauses Ostflügel ein gigantischer Batzen aus Vaseline, Wachs und sauerkirschroter Farbe. Auf Schienen. Und dabei muss er natürlich durch die steinernen Durchgänge. Und weil der Batzen größer ist als diese, hinterlässt er wirklich abartig rote Sauereien an diesen Durchgängen, von denen die rote Masse jetzt so zähflüssig runterklatscht. Fein, denken wir uns, auch wenn wir nicht vergessen dürfen, das dies natürlich auch ein, gähn!, Statement zum Troost-Nazi-Bau ist, der jetzt eben diese Gedärm-Bahn beherbergt, und damit natürlich auch zum Holocaust. Und war nicht heute, der 11.11. , nicht irgendwie auch so ein Nazidatum ?
Ach nee, war nur Karneval....egal, das viel bessere Statement zu eigenem Gebäude / eigener Geschichte gibt das Haus der Kunst jetzt eh selbst ab. Unter dem hierzulande vergessenem Motto „ideologisches Bauen“ gab es schon letzte Woche eine von hiesiger Presse ( Süddeutsche Zeitung – gibt’s umsonst an Bahnhöfen ) aufs Strengste verurteilte Vorträge von den Architekten Kohlhaas & Herzog zu genau jenem Thema, und zwar - das war der Punkt der Kritik – in Anwesenheit Jong Myong Ho’s, das ist, wenn man mal ganz plakativ will, der Albert Speer Nordkoreas. Und als wir so fertig waren als Eventbesucher und in der goldenen Bar an der Rückseite des Museums noch eine Holunderbionade trinken wollten, da mussten wir durch den Konferenzraum, unter dem übrigens das P1 beheimatet ist, und da ging nun das Projekt „ideologisches Bauen“ gerade zu Ende. Jong Myong Ho und seine Delegation, für Laien neben ihrem asiatischen Aussehen auch an den Kim-Jong-Il-Ansteckern am Revers zu erkennen, ließen sich dort von Münchner TU-Studenten deren Entwürfe für kommunistische Sporthallen präsentieren. Das war an Skurillität freilich nicht zu überbieten, wie die wohlsituierten Studenten dort erläuterten, wo sich in der von ihnen entworfenen Schwimmhalle die Ränge für die kommunistischen Staatsmänner, und wo die Ränge fürs Volk befinden sollten, und dabei immer wieder die Namen der anwesenden Nordkoreaner verwechselten, woraufhin sie stets vor Scham und Respekt ganz rot wurden. Jong Myong saß mit Delegation und Dolmetscher im Publikum, sein Haar klebte dank Pomade am Kopf, und ab und zu nickte er gnädig, und hätten wir nicht gewusst, dass er eben Albert Speer ist, wir hätten ihn für einen grundsympathischen nordkoreanischen Bauern gehalten, mit dieser asiatischen Kopfphysiognomie, dem schlackernden dunkelgrünen Jackett und seinen gütigen Augen.



24.12.2007



Weihnachten in Berlin: nur ich, Berlin und Weihnachten. So hatte ich mir das vorgestellt, dass ich tagsüber ein bisschen durch Kreuzberg spaziere, abwechselnd Massive Attacks „Protection“ und Gesualdo-Chöre in der Dauerschleife höre, mir abends ein Glas Wein genehmige und an meiner Reportage schreibe, die ich bei der Journalistenschule einreichen muss. In meinem Fall eine Reportage über den Hirnforscher John-Dylan Haynes, der mit einem Verfahren namens Brain Scanning arbeitet, um die Gedanken seiner Probanden zu erforschen. Ich kam einigermaßen gut vorbereitet nach Berlin und ich dachte wir würden über Kernspintomografie, Willensfreiheit und Determinismus sprechen, aber es sollte natürlich anders kommen:

Als ich Berlin erreichte, dämmerte es bereits, es war der kürzeste Tag des Jahres und eine dichte Nebeldecke lag über der Stadt. Mich fror, es war eine lange Reise gewesen. Vor dem Café, in dem ich mich gestärkt hatte, stand ein einziger Wagen am Taxistand, den ich ansteuerte. Der Taxifahrer sortierte irgendetwas in seinem Kofferraum, als ich zu ihm trat und verlangte, er solle mich zum Labor des Forschers Haynes fahren. Der Fahrer blickte mich einen Moment lang an, ich vermochte seine Miene nicht zu deuten, dann sagte er:

„Es gibt keine Strasse dorthin.“
„Aber es muss doch eine Strasse dorthin geben“ entgegnete ich.
„Nein, es führt keine dorthin“ wiederholte der Fahrer.
„Können sie mich denn wenigstens in die Nähe bringen?“ fragte ich.
Der Fahrer schwieg.
„Sie haben doch ein Taxi!“ sagte ich.
„Das ist kein Taxi.“ antwortete der Fahrer, stieg in seinen Wagen und fuhr davon.

Also machte ich mich zu Fuß auf den Weg, Ich war einigermaßen schwer bepackt, und die Last zwang mich auf halber Strecke zur Rast. Ich ließ mich auf einer Bank am Hamburger Bahnhof nieder, rauchte eine Zigarette und betrachtete den nebeligen Himmel, der noch einen letzten Rest Tageslicht verriet. Dann ging ich weiter und nachdem die Dunkelheit vollends hereingebrochen war, erreichte ich das kleine Areal am Rande der Philippsstraße, an dessen Eingang ein unbesetztes Wachhäuschen stand. Dort verharrte ich kurz, doch niemand kam, also betrat ich das Gelände. Ein Gewirr aus kleinen Strassen, die von Bäumen gesäumt waren, und überall standen alte Backsteinhäuser. Einige hatten kleine Türme und Erker, andere sahen aus wie zu klein geratene Bauernhäuser, wie man sie im Brandenburgischen findet. Ich musste zu Haus 6, doch es fand sich keine Menschenseele, die ich hätte danach fragen können. Auch kein Auto war mehr zu hören und ich versuchte, die Wege systematisch abzulaufen, um Haynes zu finden. Da hörte ich ein Scheppern. Nur wenige hundert Meter vor mir sah ich den Schatten eines hochgewachsenen Mannes, er trug einen Doktorenhut und warf im schwachen Licht einer Laterne leere Sektflaschen in den Altglascontainer. Ich beschleunigte meinen Schritt, doch bevor ich den Mann erreichte, wendete er sich ab und verschwand in einer der unbeleuchteten Strassen. Ich blieb im Lichte der Laterne stehen, um in meiner Tasche nach dem Zigarettenpäckchen zu kramen, als ein Donnergrollen erklang. Ein Gewitter? Bei diesem Wetter? Es ging kein Wind und es herrschte trockene Kälte. Doch das Grollen hielt an. Ich zückte mein Diktiergerät, drückte auf Record, um es festzuhalten. Nach einer Weile ebbte es ab, dann schaltete sich die Laterne aus. Nun stand ich im Dunkeln. Ich griff nach meinem Mobiltelefon, um Haynes anzurufen, doch mein Telefon fand kein Netz, also beschloss ich umzukehren, um Haynes vom Café aus zu erreichen. Ich folgte dem Weg zum Ausgang dieses höchst seltsamen Geländes. Hinter einer Kurve stand ein Haus, es war hell erleuchtet. Ich war erstaunt, es war mir vorher nicht aufgefallen. Ich trat näher, vor dem Haus stand ein Schild: HAUS 6, hieß es darauf. Ich musste es einfach übersehen haben, dachte ich. Ich klingelte.

Man öffnete mir schnell. Ein Mann stand dort, er hatte eine Taschenlampe in der Hand.
„Sie müssen Christian sein“, sagte er mit weicher, leiser Stimme. Es war Haynes. Er sah sehr blass aus, er hatte dunkle Ringe unter den Augen, er musste ein vielbeschäftigter Mann sein.
„Das bin ich, und sie sind Haynes?“ entgegnete ich.
„Bitte..“, sagte Haynes „..nennen sie mich John. Und treten sie ein, es ist schon spät, sie müssen müde sein von der langen Reise“
Ich folgte ihn durch einen Flur in eine Art Aufenthaltsraum. Es war ein sehr langer Raum, darin befand sich ein großer Tisch, wie er in Konferenzräumen zu stehen pflegt. Ein kleiner eingelassener Kamin am Kopf des Raumes spendete Wärme und auch etwas Licht. Auf dem Tisch waren allerlei Köstlichkeiten gedeckt, Schalen voll Obst, vornehmlich dunklen Trauben und etwas erhöht waren Platten mit kaltem Filetscheiben aufgestellt worden.
„Bitte greifen sie doch zu“ sagte Haynes „und verzeihen sie, dass ich nicht mit ihnen speisen kann, ich kann nach Einbruch der Dunkelheit nichts mehr zu mir nehmen.“
Ich zögerte, doch der Hunger überwog. Das Fleisch war fein und das Obst frisch und von vollem Geschmack. Haynes schenkte mir ein Glas Weißwein ein. Ich trank in großen Schlücken.
„Also das Interview...“ setzte ich an.
„Ach ja, das Interview...bitte, sorgen sie sich nicht um das Interview, wir können es morgen führen, essen sie, wir haben hier einige Gästezimmer, wissen sie...“ sagte Haynes. Sein Gesicht sah im Schein des Feuers auf einmal viel freundlicher aus. Ich fragte mich, woher mir die ganze Szenerie wohl bekannt vorkam, doch so angestrengt ich auch nachdachte, es wollte mir nicht einfallen. Haynes, der Hirnforscher, schien meine Anstrengungen zu bemerken. Er wirkte nun auf einmal sehr aufgebracht, erhob sich und zog eine mit Elektroden übersäte Kopfhaube aus einer Schublade.
„Bitte, lassen sie mich ihnen helfen, es ist das modernste Heilmittel der Welt“ zischte Haynes und näherte sich mir mit der Haube. Erst jetzt bemerkte ich den Kernspintomografen. Mich überfiel Panik, doch ich musste Haynes Vertrauen gewinnen, und so ließ ich es geschehen.
Hastig stülpte mir Haynes die Elektrodenhaube über den Kopf und drängte mich zur Kernspin-Röhre. Ich wurde auf einmal sehr ruhig und legte mich beinahe apathisch auf die Bare. Es war, als handelte ich determiniert. Langsam wurde ich in die Scan-Röhre gefahren. Was dann geschah, habe ich nur noch wie einen flüchtigen Fiebertraum vor Augen.

Zur gleichen Zeit lag, weit weg von Berlin, meine Geliebte bereits in ihrem Bette, als eine Fledermaus durch das zum Lüften noch geöffnete Fenster in das Zimmer eindrang und sich in den Gardinen festbiss.



30.12.2007



Zum Jahresausklang noch etwas Journalisten-Bashing. „Geliebtes, Dunkles Land“ ist nicht etwa eine wieder aufgetauchte Karl May-Erzählung, sondern ein sehr erfolgreiches Buch der Spiegel-Autoren Susanne Koelbl und Olaf Ihlau. Koelbl war öfter in Afghanistan als jeder andere Journalist aus Deutschland. Ihlau war zuletzt Leiter des Ressorts Ausland beim Spiegel. Keiner wird ihre Kompetenz in Frage stellen wollen, außer vielleicht Peter Scholl-Latour. Aber über diese Spiegelschreibe, die die beiden in ihrem ansonsten sicherlich sehr informativen Buch zelebrieren, muss auch mal gesprochen werden. Dieses ewige szenische Einsteigen, diese Metaphern...lesen wir deshalb mal die Kapitelanfänge quer:

Vorwort:
„Ein betörender Sog ging stets von diesem Flecken Erde aus mit seinem weiten blauen Himmel und der glasklaren Luft, den majestätischen Schneegipfeln von über 7000 Metern Höhe und den Flusstälern mit den Ahorn- und Eukalyptusbäumen. (...) Die machtvolle Natur lässt bereits einen Vorgeschmack auf die Extreme erahnen, die den Besucher am Hindukusch erwarten.“

Kapitel 2:
„Der Tag mit Präsident Karzai beginnt früh. Es ist 8.45 Uhr im Regierungspalast in Kabul. Schnee liegt auf den Wiesen zwischen der kleinen Moschee mit den blauen Zwiebeltürmen und dem Büro des Präsidenten. Eine Allee führt durch das parkartige Gelände, auf dem eine unruhige Mischung kubischer Gebäude steht und andere Häuser mit Erkerchen, Kuppeln und Bögen.“

Kapitel 4 ( namens Ritt auf dem Tiger...)
„Wie eine Mondstation liegt die Stadt Quetta zwischen den sandbraunen Gipfeln der Berge von Chiltan, Takatu, Mordar und Zargun, Gewaltige Erdmassen schließen die 1700 Meter hoch gelegene Provinzhauptstadt ringartig ein...“

Kapitel 5
„Es ist ein kalter Frühlingsmorgen, und der Blumenkohlhändler im Distrikt Peschawar hat seine Ware mannshoch zur Pyramide aufgestapelt. Schützend schlägt er den Patou, ein wärmendes Wolltuch, um seine Schultern. Der Smog quillt von der Khyber-Pass-Straße hinüber in die Gassen des Schmugglermarkts. (...) Eine Waage im Schaufenster einer Verkaufsbaracke deutet darauf hin, dass sich hier mehr erwerben lässt als nur Haushaltswaren....“

Kapitel 6
Der Garten des Stammesfürsten Haji Agha Lalay liegt wie eine vcrborgene Oase hinter dem Basar von Kandahar. Auf dem Weg hängen Schafshälften am Fleischerhaken unter offenen Himmel, ein Zitronenhändler hofft auf Kundschaft. Aus einer Kebab-Bude steigt Ölrauch auf, und daneben hämmert ein Junge in einer Autowerkstatt auf ein Stück Blech ein. Ganz still ist es dagegen im garten von Haji Agha Lalay. Die Rosen blühen in hellem Gelb und Weiß, und ein Aprikosenbaum wirft Schatten auf die Terasse....“( wo ein paar Männer übrigens irgendwelchen Tee trinken. Ich tippe auf Minztee. )

Kapitel 7
„Im Gesicht des schwarzbärtigen Mullahs spiegeln sich Abscheu und Zorn, Kaskaden von Verwünschungen entspringen seinem Mund mit den blutroten Lippen.“

Kapitel 9
„Im Park einer vornehmen Residenz der alten ostafghanischen Handelsstadt Jalalabad überwuchern Blätterranken eine schattenspendende Pagode. Darunter sind rote Orienteppische ausgelegt, und auf den prall gefüllten Sitzkissen, die das Zimmer im Freien an den Seiten begrenzen, lässt es sich bequem zurücklehnen. Der Duft der Orangenbäume zieht herüber, und die Zikaden geben an diesem Vormittag ein lautstarkes Konzert. Hier, unter dem kühlen Blätterdach seines Anwesens empfängt Haji Zaman Ghamsharik bei Minztee....“

Kapitel 10
Die Luft im Arghandab-Tal duftet nach warmer Erde. Die Sonne hat die harte Scholle aufgewärmt. In der fruchtbaren Region um die Oasenstadt Kandahar (vgl. Kapitel 6) im Süden Afghanistans gedeihen die Granatäpfel und eine bestimmte süße Traube nach einem niederschlagsreichen Winter besonders gut. Doch nicht nur Obst wird hier in großen Mengen angebaut...“ (vgl. gähn, Kapitel 5)

Kapitel 14
„(...) Über das asketische Gesicht mit den flackernden, dunklen Augen huscht ein Lächeln...“

Kapitel 15
„Die kleine Stadt Shiberghan im Norden Afghanistans ist ein staubiger Marktplatz mit zahllosen Verkaufsbuden im Grenzgebiet zu Usbekistan. Die Gesichter der Einwohner zeigen bereits asiatische Züge, und ihre Augen sind oval geformt wie Mandeln.“

Kapitel 16
„(...) Mohammed Gulabzoi setzt ein spitzbübisches Lächeln auf, mit der rechten Hand massiert er seinen schwarzen Stalin-Schnauzer, und die Augen funkeln im fleischigen Gesicht des stämmigen Paschtunen...“

Kapitel 18
„Neustadt ist ein malerischer Ort an der deutschen Ostseeküste und die Heimat von Hans Delereé. Der vierundsechzigjährige Straßenbauingenieur könnte dort gemütlich im Café Wallburg auf der Terrasse sitzen, Käsekuchen essen und aufs Wasser schauen.“

Kapitel 19
„Es ist noch kühl an diesem Morgen, kurz vor acht Uhr. Vor der Polizeistation in Kandahar befindet sich ein rotweißer Schlagbaum...“

Kapitel 20
„Im Talkessel von Faizabad ist das Licht am späten Vormittag noch immer hell und milchig. Matt fällt es durch das Fenster auf das Bett von Mohammed Hussein.“

Total ärgerlich, so was, echt.




31.12.2007








Du meine Güte, was machen Sie denn hier unten?
moratorium

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